Aufbau & Funktionen der Wirbelsäule
Die Wirbelsäule oder auch Rückgrat genannt, ist das zentrale, tragende Element in unserem Skelettsystem. Sie stützt unseren Körper und ermöglicht die aufrechte Haltung sowie Bewegungen in verschiedene Richtungen. Außerdem verbindet sie alle anderen Teile des Skeletts direkt oder indirekt miteinander. Im Inneren der Wirbelsäule umschließt der Wirbel- oder Spinalkanal das empfindliche Rückenmark und schützt es vor Verletzungen.
Wirbelsäule = zentrales Stabilitätszentrum Deines Körpers
Wenn Du an Deine Wirbelsäule denkst, kommt Dir vermutlich zuerst das klassische „Rückgrat“ in den Sinn, quasi eine Art Stützbalken, der Deinen Körper aufrecht hält. Doch die Wirbelsäule ist weit mehr als nur eine knöcherne Säule. Sie ist ein hochkomplexes, bewegliches System, das Dich jeden Tag zuverlässig durch Deinen Alltag trägt. Ob Du gehst, sitzt, Dich drehst oder tief einatmest: Deine Wirbelsäule ist immer aktiv und arbeitet oft im Verborgenen.
Was viele nicht wissen: Die Wirbelsäule übernimmt nicht nur die Aufgabe, Deinen Körper zu stabilisieren. Sie federt Stöße ab, ermöglicht fließende Bewegungen, schützt Dein zentrales Nervensystem und passt sich sogar an Deinen Lebensstil an.
Von der Seite betrachtet stellt sich die Wirbelsäule als doppelte S-Form dar. Diese Form entsteht erst nach der Geburt und ist wichtig, um Lasten wie beispielsweise Erschütterungen abzuschwächen und zu verteilen. Die typische Krümmung ermöglicht zudem den aufrechten Gang.
Der vertikale Aufbau der Wirbelsäule
Die fünf Abschnitte der Wirbelsäule im Überblick

Deine Wirbelsäule besteht aus fünf klar abgegrenzten Bereichen, die jeweils eigene Aufgaben und Besonderheiten haben:
Die Halswirbelsäule (HWS) umfasst 7 Wirbel (C1–C7) und ist der beweglichste Teil Deiner Wirbelsäule. Sie ermöglicht Dir, den Kopf zu beugen, zu drehen und zu neigen. Die beiden obersten Wirbel (Atlas C1 und Axis C2) bilden ein einzigartiges Gelenk, das bis zu 70 % Deiner Kopfdrehung zulässt.
Die Brustwirbelsäule (BWS) besteht aus 12 Wirbeln (T1–T12). Sie ist weniger beweglich, weil sie über die Rippen mit Deinem Brustkorb verbunden ist. Dafür bietet sie besonders viel Stabilität und schützt wichtige Organe wie Herz und Lunge.
Die Lendenwirbelsäule (LWS) mit 5 Wirbeln (L1–L5) trägt den größten Teil Deines Körpergewichts. Diese Wirbel sind kräftiger gebaut und besonders wichtig für Hebebewegungen, Drehungen und Deine aufrechte Haltung.
Das Kreuzbein besteht aus 5 miteinander verschmolzenen Wirbeln. Es bildet die stabile Verbindung zwischen Deiner Wirbelsäule und Deinem Becken – ein zentrales Kraftzentrum Deines Körpers.
Das Steißbein entsteht aus 3–5 verschmolzenen Wirbeln. Auch wenn es rudimentär erscheint, dient es als Ansatzpunkt für Bänder und Muskeln des Beckenbodens – wichtig für Stabilität und Haltung.
Anzahl der Wirbel: Bewegliche vs. unbewegliche Segmente

Die Wirbelsäule besteht aus 33 bis 34 Wirbeln, wobei sich die genaue Zahl selten individuell unterscheiden kann. Besonders wichtig ist die Einteilung in bewegliche und unbewegliche Abschnitte:
Die beweglichen Wirbel (24 Stück) ermöglichen Dir Beugung, Streckung und Rotation:
- 7 Halswirbel (HWS)
- 12 Brustwirbel (BWS)
- 5 Lendenwirbel (LWS)
In diesen Abschnitten treten die Nervenwurzeln rechts und links aus der Wirbelsäule aus, was entscheidend für Motorik und Sensibilität.
Bei den unbewegliche Wirbeln (9–10 Stück) sind jeweils die einzelnen Wirbel miteinander verschmolzen:
- 4–5 Steißbeinwirbel → bilden das Steißbein
- 5 Kreuzbeinwirbel → bilden das Kreuzbein
Die einzelnen Wirbel unterscheiden sich zwar teilweise in ihrer äußeren Form, sind sich im Grundaufbau jedoch sehr ähnlich. Jeder Wirbel besteht aus einem Wirbelkörper und einem Wirbelbogen, der eine Öffnung in Form eines Dreiecks, umgibt. Im Inneren des Knochenmarkes der Wirbelkörper bilden sich stetig neue Blutzellen.
Durch die Stapelung der Wirbelknochen übereinander ergibt sich so im Zentrum der Wirbelsäule ein länglicher Hohlraum, der sogenannte Wirbelkanal. Im Wirbelkanal befindet sich das Rückenmark.
An den Übergängen zweier benachbarter Wirbelbögen, wo jeweils ein Zwischenwirbelloch frei bleibt, treten Rückenmarksnerven aus, die Signale an Arme oder Beine übermitteln. Eine unzureichend trainierte Bauch- und Rückenmuskulatur kann die Wirbelsäule beeinträchtigen. Dies führt zu einer nicht physiologischen Ausrichtung der Wirbel, was zu Krümmungen oder Verformungen führen kann und damit auch zu Schäden an den einzelnen Wirbelkörpern.
Wirbelkörper, Wirbelbogen & Wirbelkanal

Jeder einzelne Wirbel besteht aus drei zentralen Strukturen:
Der Wirbelkörper bildet den vorderen, massiven Teil des Wirbels und trägt einen Großteil Deines Körpergewichts. Er besteht im Inneren aus schwammartigem Knochengewebe, der sogenannten Spongiosa, die Stöße abfedert und Belastungen verteilt. Umgeben wird sie von einer festen, kompakten Knochenschicht (Kortikalis), die dem Wirbel zusätzliche Stabilität verleiht.
Hinter dem Wirbelkörper schließt sich der Wirbelbogen an. Er schützt empfindliche Strukturen und dient gleichzeitig als wichtiger Ansatzpunkt für Muskeln und Bänder. Vom Wirbelbogen gehen mehrere Fortsätze ab: Der Dornfortsatz, den Du am Rücken ertasten kannst, sowie die seitlich gelegenen Querfortsätze. Beide bieten der Muskulatur Halt und unterstützen Deine Bewegungen.
In der Mitte des Wirbels entsteht durch das Zusammenspiel von Wirbelkörper und Wirbelbogen der Wirbelkanal. Er ist wie ein geschützter Tunnel, durch den das Rückenmark und die abgehenden Nervenwurzeln verlaufen. Bis ungefähr zur Höhe des ersten oder zweiten Lendenwirbels (L1/L2) verläuft hier das Rückenmark selbst. Darunter teilt es sich in ein fächerförmiges Bündel von Nervenfasern, die sogenannte „cauda equina“. Dieser Bereich ist besonders bei Bandscheibenvorfällen im unteren Rücken medizinisch relevant. Zusätzlich finden sich im Wirbelkanal Blutgefäße und Bindegewebe, die die Nerven versorgen und schützen.
Bandscheiben: Aufbau, Funktion & Alterungsprozesse
Zwischen fast allen Wirbeln befinden sich 23 Bandscheiben, die wie kleine Hochleistungs-Stoßdämpfer wirken und täglich enorme Kräfte abfedern. Jede Bandscheibe besteht aus zwei unterschiedlichen Strukturen, die perfekt zusammenarbeiten:
In der Mitte liegt der Gallertkern (nucleus pulposus), ein sehr wasserreiches Gewebe, das wie ein hydraulisches Polster Druck aufnimmt und gleichmäßig verteilt. Umgeben wird er vom Faserknorpelring (annulus fibrosus), der aus mehreren Schichten kollagener Fasern besteht und der Bandscheibe Stabilität verleiht. Er sorgt dafür, dass sich die Bandscheibe zwar bewegen, aber nicht überdehnen kann.
Die Bandscheiben ermöglichen Dir Beweglichkeit zwischen den Wirbeln, federn Stöße ab und unterstützen die natürliche S-Form Deiner Wirbelsäule. Außerdem halten sie den Abstand zwischen den Wirbeln aufrecht.
Eine Besonderheit der Bandscheiben ist ihr hoher Wassergehalt, der bei jungen Erwachsenen bei etwa 80 bis 90 Prozent liegt. Durch den täglichen Wechsel von Belastung und Entlastung verliert die Bandscheibe im Laufe des Tages Wasser und nimmt es in Ruhephasen (besonders nachts) wieder auf. Mit zunehmendem Alter oder bei einseitiger Belastung sinkt dieser Wassergehalt jedoch dauerhaft. Dadurch verliert die Bandscheibe an Höhe und Elastizität, was wiederum zu mehr Reibung, stärkeren Druckkräften und einem höheren Risiko für Beschwerden führt.

Diese Veränderungen sind Teil eines natürlichen Alterungsprozesses, der meist ab dem 30. bis 40. Lebensjahr beginnt. Der Faserknorpelring kann kleine Risse entwickeln, die sich durch Fehlhaltungen oder hohe Belastungen verstärken. Wird die Bandscheibe flacher, verringert sich der Abstand zwischen den Wirbeln – Nerven können gereizt werden und Schmerzen verursachen. Mögliche Folgen sind Vorwölbungen (Protrusionen), Bandscheibenvorfälle oder degenerative Veränderungen wie Osteochondrose.
Wichtig ist außerdem: Die Bandscheibe besitzt kaum eigene Blutgefäße. Sie erhält Nährstoffe fast ausschließlich durch Diffusion. Dieser Prozess funktioniert nur, wenn Du Dich regelmäßig bewegst und Deine Wirbelsäule wechselnd belastest. Langes Sitzen, Bewegungsmangel oder monotone Haltungen können deshalb die Regeneration Deiner Bandscheiben deutlich beeinträchtigen.
Der Aufbau der Halswirbelsäule im Detail

Alle Wirbel sind nach einem einheitlichen Prinzip aufgebaut. Die Grundform aller Wirbel ist die Form eines Ringes oder Hohlzylinders, dessen vorderer Teil – außer beim ersten und zweiten Halswirbel – ein massiver, zylindrisch geformter Knochen mit einer Grund- und einer Deckplatte ist. Dieser sogenannte Wirbelkörper ist bei den Wirbeln der Halswirbelsäule kleiner als in der übrigen Wirbelsäule, da die Halswirbelsäule nur den Kopf stützen muss.
Atlas – der erste Halswirbel (C1)
Der erste Halswirbel (auch Atlaswirbel genannt) trägt Deinen Kopf. Jener ist zusätzlich auch spezieller als die anderen, da er eine Sonderform hat. Der Atlas besitzt keinen, wie oben beschriebenen Wirbelkörper, sondern hat eine Ringform mit einem kurzen vorderen und einem langen hinteren Bogen. Dicke Seitenteile werden zu stark ausladenden Querfortsätzen, welche die Wirksamkeit von daran ansetzenden Muskeln, die den Kopf drehen, erhöhen.
Axis – der zweite Halswirbel (C2)
Der Atlas ist mit dem zweiten Halswirbel (Axis) über ein Gelenk verbunden. Der Axis-Wirbel hat auf seiner oberen Fläche einen zapfenförmigen Fortsatz, den Zahn, der an seiner Vorderfläche mit Knorpel überzogen ist. Dieser Zahn greift in den vorderen Bogen des ersten Halswirbels und dient hinten als Gleitfläche für ein starkes Band, das zusammen mit anderen Bändern den Zahn in seiner Lage fixiert und damit auch das Rückenmark schützt.
Mobilität der Halswirbelsäule
Die Halswirbelsäule trägt den Kopf und ermöglicht dessen Beweglichkeit. Die beiden Kopfgelenke zwischen der Schädelbasis und den beiden Halswirbeln, Atlas und Axis, sorgen für etwa 70 Prozent der Beweglichkeit des Kopfes gegenüber dem Rumpf.
Ein Vorbeugen des Körpers erfolgt besonders über eine quere Achse in der Halswirbelsäule. Die Möglichkeit einer Streckung und Beugung nach hinten ist besonders groß zwischen den unteren Halswirbeln. Eine Seitwärtsneigung ist in der Halswirbelsäule etwa gleich weit möglich wie in der Lendenwirbelsäule.
Eine Drehung um die senkrechte Achse ist am weitesten im Halsbereich möglich, da der Kopf mit seinen Hauptsinnesorganen Auge und Ohr eine möglichst große Beweglichkeit benötigt. Die Möglichkeit der Drehung um die senkrechte Achse nimmt vom Kopf nach unten zunehmend ab.
Die obere Gelenkfläche des Axis-Wirbels erlaubt durch ihre Neigung nach außen und abwärts eine starke Drehung des ersten Halswirbels (Atlas) und damit auch des Kopfes.
Der Aufbau der Brustwirbelsäule im Detail

Die Brustwirbelsäule ist der Abschnitt der Wirbelsäule zwischen Hals- und Lendenwirbelsäule. Sie besteht aus 12 Wirbeln und bildet zusammen mit den 12 Rippenpaaren und dem vorderen Brustbein unseren Brustkorb. Dieser schützt unsere lebenswichtigen Organe, das Herz und die Lungen.
Bei einem gesunden Menschen weist die Brustwirbelsäule einen Bogen nach hinten auf, was als physiologische Kyphose bezeichnet wird. Aufgrund einer falschen Haltung kann es zu einer Hyperkyphose kommen. Das bedeutet, die Wirbelsäule ist dann zu stark nach hinten gewölbt. Diese verstärkte Kyphose muss dann durch eine verstärkte Lordose der Lendenwirbelsäule und der Halswirbelsäule ausgeglichen werden.
Eine Fehlhaltung der Brustwirbelsäule hat somit Auswirkungen auf den gesamten Körper und kann nicht nur im Rücken Schmerzen hervorrufen. Der Brustwirbel besteht aus einem Wirbelkörper, einem Wirbelbogen, einem Dornfortsatz und zwei Querfortsätzen.
Auf Höhe der Dornfortsätze befinden sich die Facettengelenke jeweils rechts und links, die es ermöglichen, dass sich die Brustwirbelsäule nach vorne und hinten beugen, zur Seite neigen und nach rechts und links drehen kann.
Die Brustwirbel sind im Vergleich zu den Halswirbeln deutlich kräftiger und werden nach unten durch die zunehmende Körperlast immer stärker und stabiler.
Die Brustwirbelsäule hat im Wesentlichen 2 Funktionen
Die Brustwirbelsäule übernimmt in Deinem Körper zwei zentrale Aufgaben. Zum einen sorgt sie für Stabilität und schützt wichtige Strukturen. Andererseits ermöglicht sie Dir Beweglichkeit und unterstützt Deine Atmung.
Die Brustwirbelsäule wirkt als statisches Stützgerüst. Sie trägt einen großen Teil des Oberkörpergewichts, dämpft Stöße, die beim Gehen oder Laufen entstehen, und schützt das darin verlaufende Rückenmark. Durch ihre Verbindung mit dem Rippenkorb bildet sie einen stabilen Rahmen, der gleichzeitig Herz, Lunge und große Gefäße sicher umschließt.
Gleichzeitig besitzt die Brustwirbelsäule eine dynamische Funktion, denn sie kann sich um drei Achsen bewegen. Deine Wirbelsäule ist in diesem Bereich zwar weniger flexibel als im Hals- oder Lendenbereich, aber dennoch erstaunlich beweglich: Sie ermöglicht Dir eine Beugung von etwa 35 Grad, eine Streckung von rund 25 Grad, eine Seitneigung von ungefähr 20 Grad und eine Rotation von bis zu 40 Grad. Gerade die Rotationsfähigkeit ist in der Brustwirbelsäule am größten und spielt bei vielen Alltagsbewegungen eine wichtige Rolle.

Ein weiterer spannender Aspekt: Die Brustwirbelsäule steht eng mit Deinem Zwerchfell in Verbindung. Eine blockierte oder unbewegliche BWS kann deshalb sogar Deine Atmung beeinflussen und umgekehrt kann eine ruhige, vertiefte Atmung die Beweglichkeit in diesem Bereich verbessern.
Das Zwerchfell (wichtigster Atemmuskel)
Das Zwerchfell ist eine Muskel-Sehnen-Platte, welche die Brust- von der Bauchhöhle trennt und aussieht wie ein Kuppeldach. Er ist der wichtigste Atemmuskel und durch die Muskelkontraktion entsteht die Einatmung, dies ist seine Hauptfunktion. Das Zwerchfell hat 3 Ansätze: an den Lendenwirbeln, der Innenseite der 7. bis 12. Rippe und dem Brustbein. Somit ist die Beweglichkeit des Brustkorbes und der Wirbelsäule untrennbar mit der Atmung verbunden.
Funktionen des Zwerchfells
- Einatmung durch Kontraktion und Erzeugung eines Unterdrucks, sodass Luft in die
- Lunge eingesogen wird
- Mobilisation von Flüssigkeit durch Auf-und Abbewegung, z.B. Blut, Lymphe
- Massage aller Bauchorgane, gut für die Verdauung
- Stabilisierung der Wirbelsäule beim Heben und Tragen von Gewichten
- Stimmmodulation durch Steuerung des Luftflusses entlang der Stimmbänder
Bei einer Verspannung des Zwerchfells, können folgende Probleme auftreten:
- Atemprobleme
- Kopf-, Schulter-, Rückenschmerzen
- Sodbrennen
- Emotionale Unausgeglichenheit
- Verdauungsprobleme
- Funktionelle Herzprobleme
- Bewegungseinschränkungen in der Brustwirbelsäule
Der Aufbau der Lendenwirbelsäule im Detail

Als Lendenwirbelsäule werden die 5 Wirbel bezeichnet, die zwischen der Brustwirbelsäule und dem Kreuzbein liegen. Die Lendenwirbelsäule hat – wie die Halswirbelsäule – eine physiologische Krümmung nach vorne (Lordose).
Die fünf Lendenwirbel sind kräftiger gebaut als die Wirbel der übrigen Wirbelsäule. Sie sind hoch und breit mit einem querovalen, großen Wirbelkörper. Auch die Gelenkfortsätze der Lendenwirbel sind sehr kräftig, da die Lendenwirbelsäule den gesamten Rumpf und den Kopf trägt.
Zwischen den Lendenwirbeln befinden sich – wie in der gesamten Wirbelsäule – Bandscheiben und Bänder. Die Querfortsätze, die seitlich von den Lendenwirbeln abgehen, sind Rippenrudimente, die vom ersten bis zum dritten Lendenwirbel länger werden und bis zum fünften Lendenwirbel allmählich wieder kürzer.
Ist in der Wirbelkette ein Glied dekompensiert, kommt es häufig zu weiteren Überforderungen und einer Dekompensation der angrenzenden, knöchernen und bindegewebigen Wirbelsäulenabschnitte. Die tiefe, thorakolumbale Rückenfaszie übersäuert und verklebt, die Rückenmuskeln werden ihrer Aufgabe nicht mehr gerecht und fibrosieren zusätzlich. Besonders quälende Rückenschmerzen können sich aus diesem Zustand entwickeln.
Schmerzen sind in der Lendenwirbelsäule am häufigsten
Im untersten Abschnitt der Wirbelsäule treten mit Abstand die meisten Rückenschmerzen auf. Die Lendenwirbelsäule trägt das gesamte Gewicht des Rumpfes. Im Vergleich zu den anderen Wirbelsäulenabschnitten sind die Wirbelkörper, die diese Last aufnehmen, aber eher klein. Der aufrechte Gang belastet die Wirbelgelenke der Lendenwirbelsäule enorm.
Unsere Bandscheiben, die als Puffer und Federung dienen, verlieren jeden Tag einen Teil ihrer Flüssigkeit. Sie schrumpfen. Über Nacht und im Liegen wird diese Flüssigkeit wieder aufgefüllt, doch mit fortschreitendem Alter lässt dieser Prozess nach. Die Bandscheiben schrumpfen dauerhaft. Das führt dazu, dass die Muskelspannung nachlässt.
Die Lendenwirbelsäule wölbt sich nach vorne. Es entsteht ein zunehmender Hohlrücken, der zusätzlich die Druckbelastung erhöht. Die Folge sind tiefliegende Rückenschmerzen, die gürtelförmig ausstrahlen können. Im Bereich der Lendenwirbelsäule finden zudem die Bewegungen statt, die vom Rumpf in die Beine übergehen. Daran sind Muskelzüge, wie der Hüftbeuger oder die sogenannten Adduktoren (Anziehmuskeln) beteiligt.

Schmerzen in der Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule und Lendenwirbelsäule vorbeugen
| Wirbelsäulenabschnitt | Typische Belastungen | Was vorbeugend helfen kann! |
|---|---|---|
| Halswirbelsäule (HWS) | langes Sitzen, Handyhaltung („Handy-Nacken“), Stressverspannungen | ergonomische Bildschirmhöhe, bewusstes Entspannen von Schultern & Kiefer, aktive Pausen, regelmäßige Nackenmobilisation |
| Brustwirbelsäule (BWS) | langes Sitzen, Rundrücken, Bewegungsmangel, flache Atmung | Aufrichtungstraining, Mobilisation durch Dreh- und Streckbewegungen, tiefe Zwerchfellatmung, Dehnung der Brustmuskulatur |
| Lendenwirbelsäule (LWS) | langes Sitzen, schweres Heben, fehlende Rumpfstabilität | Kräftigung der Bauch- und Rückenmuskulatur, ergonomisches Heben, häufige Positionswechsel, kurze Dehneinheiten für Hüftbeuger und Gesäß |
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Häufige Fragen – FAQ
Zu den häufigsten Erkrankungen der Wirbelsäule gehören:
- Bandscheibenvorfälle,
- Arthrose der Wirbelgelenke (Facettensyndrom),
- Spinalkanalstenosen und
- Haltungsschäden wie Hyperlordose oder Skoliose.
Auch muskuläre Dysbalancen können Beschwerden entlang der Wirbelsäule verstärken oder auslösen. Viele dieser Probleme entstehen durch Bewegungsmangel, langes Sitzen oder Fehlbelastungen im Alltag.
Schmerzen, die von der Wirbelsäule ausgehen, können je nach betroffener Region unterschiedlich ausstrahlen und hängen davon ab, ob Nerven gereizt, eingeklemmt oder überlastet sind.
Probleme im Halswirbelbereich ziehen oft in Schultern, Arme oder Hände.
Beschwerden in der Brustwirbelsäule können bis in den Brustkorb oder zwischen die Rippen ausstrahlen.
Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule strahlen typischerweise ins Gesäß, in die Oberschenkel oder bis in die Füße aus.
Bei Schmerzen entlang der gesamten Wirbelsäule hilft es zunächst, akute Belastungen zu reduzieren und behutsam in Bewegung zu bleiben. Wärmeanwendungen, sanfte Mobilisationsübungen und leichtes Dehnen können die Muskulatur entspannen. Wichtig ist auch, mögliche Ursachen wie Stress, Fehlhaltungen oder einseitige Belastungen zu erkennen und langfristig zu korrigieren. Wenn die Schmerzen anhalten, stärker werden oder in Arme oder Beine ausstrahlen, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Die rückenfreundlichste Schlafposition ist die Rückenlage, da die Wirbelsäule dabei ihre natürliche Form behält und der Nacken gut gelagert werden kann. Die Seitenlage ist ebenfalls geeignet, insbesondere mit einem Kissen zwischen den Knien, um die Lendenwirbelsäule zu entlasten. Weniger empfehlenswert ist die Bauchlage, da sie den unteren Rücken und die Halswirbelsäule stark verdreht. Eine ergonomische Matratze und ein passendes Kopfkissen unterstützen zusätzlich eine entspannte Wirbelsäule. Entscheidend ist, dass die Wirbelsäule in der Nacht möglichst gerade und stabil bleibt.
Eine gesunde Wirbelsäule braucht regelmäßige Bewegung, kräftige Rumpfmuskeln und ausreichend Mobilität. Schon kleine Alltagsgewohnheiten wie häufiges Aufstehen, bewusstes Aufrichten und abwechslungsreiche Bewegungsmuster entlasten die Wirbelsäule. Ergänzend helfen gezielte Übungen für Bauch-, Rücken- und Gesäßmuskulatur, die Stabilität und Haltung verbessern. Auch ein ergonomischer Arbeitsplatz, genügend Schlaf und Stressreduktion wirken positiv auf die Wirbelsäule.
Als Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie, Physiotherapeutin und Osteopathin helfe ich Dir, Deine Selbstheilungskräfte zu verstehen und gezielt zu aktivieren.
Mehr über AnneDie Lendenwirbelsäule, ist ein wichtiger Bestandteil der menschlichen Wirbelsäule. Sie besteht aus mehreren Wirbeln, die eine tragende Rolle bei der Stabilisierung des Rückens s...
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