Somatisches Yoga: Die leise Kraft bewusster Bewegung
Somatisches Yoga verbindet traditionelle Yogapraktiken mit somatischem Training: langsam, innengeleitet und bewusst. Es richtet die Aufmerksamkeit auf Deine Körperempfindungen und fördert dadurch die Neuorganisation von Bewegung und Stressreaktionen. Egal, ob Du neu dabei bist oder schon Erfahrung mit Yoga hast — somatisches Yoga kann Dir helfen, Rückenschmerzen zu lindern, Deinen Bauchraum zu beruhigen, Dein Nervensystem zu regulieren und sogar den Schlaf zu verbessern.
Was ist somatisches Yoga?
Somatisches Yoga ist eine Yogaform, die auf den Prinzipien der Somatik basiert, also auf bewusster Körperwahrnehmung und -erfahrung. Im Unterschied zu kraftvollen Yogastilen stehen hier nicht äußere Formen oder perfekt ausgeführte Asanas im Vordergrund. Stattdessen liegt der Fokus auf sanften, oft sehr kleinen Bewegungen, auf innerer Wahrnehmung sowie auf dem bewussten Lösen muskulärer Spannungen.
Ziel dieser Praxis ist es, eine autonome, schmerzarme und effiziente Bewegungsfähigkeit zurückzugewinnen. Dies geschieht durch Neuroplastizität (die Lern- und Anpassungsfähigkeit des Gehirns), sowie durch sensorimotorisches Lernen, bei dem Bewegung über bewusste Wahrnehmung neu organisiert wird.
Somatisches Yoga-Training vs. klassisches Yoga
Das somatische Yoga-Training setzt den Fokus auf die Innenwahrnehmung anstelle der äußeren Ausrichtung Außerdem werden die Übungen sehr langsam ausgeführt und es werden Haltephasen eingebaut. Dadurch hilft Dir somatisches Yoga, Dein Nervensystem besser zu regulieren, chronischer Spannung zu reduzieren und ein besseres Körperbewegungsmuster aufzubauen. Somatisches Training ist damit ideal als Ergänzung zum klassischem Yoga, zur Physiotherapie oder zum Bewegungstraining.

| Merkmal | Somatisches Yoga | Klassisches Yoga |
|---|---|---|
| Primärer Fokus | bewusste Körperwahrnehmung (Interozeption, Propriozeption) | Ausführung und Wiederholung von Asanas |
| Bewegungsansatz | langsame, kontrollierte Bewegungen mit kleinen Bewegungsradien | statische Haltearbeit oder dynamische Abfolgen |
| Aufmerksamkeit | nach innen gerichtet (Empfindungen, Spannungszustände, Atmung) | nach außen und innen (Ausrichtung, Technik, Atmung) |
| Zielsetzung | Neuorganisation von Bewegungs- und Spannungsmustern | Aufbau von Kraft, Beweglichkeit, Stabilität |
| Neurophysiologischer Ansatz | Nutzung von Neuroplastizität und sensomotorischem Lernen | indirekte neuronale Anpassung durch Wiederholung |
| Umgang mit Spannung | aktives Wahrnehmen, Regulieren und Lösen chronischer Spannung | Dehnung, Kräftigung oder Halten von Spannung |
| Nervensystem | direkte Ansprache des autonomen Nervensystems | Regulation als sekundärer Effekt möglich |
| Bewegungsqualität | Effizienz, Ökonomie, individuelle Anpassung | Präzision der Haltung, Wiederholbarkeit |
| Leistungsorientierung | keine leistungsbezogenen Zielvorgaben | unterschiedlich ausgeprägt je nach Stil |
| Typische Einsatzbereiche | Stressregulation, chronische Spannung, Reorganisation nach Schmerz oder Überlastung | Fitness, Mobilität, Prävention, spirituelle Praxis |
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Die Wirkung von somatischem Yoga
Studien zu somatischen und achtsamkeitsbasierten Körpermethoden weisen auf spürbare Effekte bei der Verbesserung der Körperwahrnehmung sowie bei der Reduktion von Stress und schmerzbezogenen Spannungszuständen hin. Gleichzeitig gilt: Die Forschung ist heterogen, da somatische Ansätze stark individuell wirken und Reaktionen von Person zu Person variieren können.
Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025, die verschiedene Yoga-Interventionen untersuchte1, zeigt jedoch deutlich, dass Yoga mit signifikanten Verbesserungen der Körperwahrnehmung verbunden ist. Insbesondere dann, wenn Körperbewusstsein als vielschichtiges Zusammenspiel aus Empfindung, Aufmerksamkeit und innerer Wahrnehmung verstanden wird.
Ergänzend dazu zeigt eine Pilotstudie aus dem Jahr 2023 zu einem somatisch orientierten Bewegungsprogramm („Soma e-motion“)2, das Elemente aus Yoga und somatischen Methoden kombiniert, signifikante Verbesserungen der Interozeption. Das bedeutet es lag eine positive Änderung der Wahrnehmung innerer Körperzustände, sowie des Selbstmitgefühls bei den Teilnehmenden vor. Auch wenn es sich hierbei nicht um eine klassische Yoga-Studie handelt, verdeutlichen die Ergebnisse das Potenzial somatisch-basierter Bewegungsansätze, innere Wahrnehmungsprozesse zu stärken und die Beziehung zum eigenen Körper positiv zu verändern.

Kurzüberblick: Zentrale Wirkfelder von somatischem Yoga
- Regulation des autonomen Nervensystems
- Schmerzlinderung und Auflösung chronischer Muskelspannung durch sensorimotorisches Training
- Verbesserte Körperwahrnehmung
- Bessere Atem‑ und Organfunktion (z. B. Verdauung)
- Positive Effekte auf Schlaf, Stresshormone (Cortisol) und Stimmung
- Unterstützung bei Trauma‑Regulation bei trauma‑sensibler Anwendung
- Erhöhte Bewegungseffizienz, Balance und Haltung
Die Wirkung im Detail: Tiefgreifende Effekte auf Körper und Nervensystem
1. Autonomes Nervensystem und Stressregulation
Langsame, bewusst wahrgenommene Bewegungen und tiefe, rhythmische Atmung aktivieren den sogenannten Parasympathikus (auch „Ruhenerv“ genannt) der Entspannung, Erholung und eine geregelte Verdauung fördert. Du fühlst Dich ruhiger und Deine Stressreaktionen sind weniger heftig. Messbar sind zudem auch Verbesserungen z. B. in der Herzratenvariabilität (der zeitlichen Schwankung der Herzschläge).
2. Schmerzreduktion und Neuordnung von Bewegung
Somatisches Yoga nutzt bewusste, langsame Bewegung, um alte, schmerzverstärkende Muskelgewohnheiten zu unterbrechen. Über wiederholte, geführte Erfahrungen lernt das Gehirn neue, weniger schmerzfördernde Aktivitätsmuster. Chronische Verspannungen nehmen ab, die funktionelle Beweglichkeit verbessert sich und oft sinkt die Schmerzwahrnehmung. Das ist besonders wirksam bei unspezifischen Rückenschmerzen und Spannungszuständen.
Beachte dabei: Die Wirkung entsteht meist durch regelmäßiges Üben über Wochen; sofortige Erleichterung ist möglich, nachhaltige Veränderungen brauchen allerdings Wiederholung.

3. Körperwahrnehmung und emotionale Regulation
Indem Du Deine Aufmerksamkeit systematisch nach innen richtest, verbesserst Du die Wahrnehmung innerer Signale — Temperatur, Muskeltonus, Atem, Herzschlag. Dieses verbesserte Körperempfinden erhöht die Fähigkeit, Stressanzeichen früh zu erkennen und regulierend zu reagieren. Du gewinnst mehr Kontrolle über körperliche Reaktionen (z. B. vor Ärger oder Angst), kannst besser Grenzen setzen und emotional stabiler reagieren.
4. Hormonelle Effekte: Cortisol & Schlaf
Durch die Reduktion der Sympathikus‑Aktivität und Förderung von Entspannungsreaktionen sinken akute Stresshormon‑Spitzen. Regelmäßige Praxis unterstützt bessere Schlafarchitektur (leichteres Einschlafen, tiefere Ruhephasen).
Weniger nächtliche Aufwachreaktionen, besseres Einschlafen; indirekt kann dies auch Energielevel und Appetitsteuerung verbessern.
Außerdem ist eine kurzfristig spürbare Entspannung möglich. Messbare hormonelle Veränderungen entwickeln sich über Wochen bis Monate.
5. Trauma‑sensitives Arbeiten & Nervensystem
Somatisches Yoga arbeitet „bottom‑up“ (Körperempfindungen und autonome Regulation) und kann Ressourcen zur Stabilisierung anbieten. Es fokussiert dabei auf Sicherheit, Wahlfreiheit und Kontrolle über die Übungsausführung.
Bei trauma‑sensibler Anleitung kann somatisches Yoga helfen, den Körper wieder als sicheren Ort zu erleben und Erregungsschwankungen besser zu regulieren.
Wichtiger Hinweis: Bei komplexer Traumafolgestörung sollte die Praxis von spezialisierten Therapeuten begleitet werden. Unkontrollierte Körpererinnerungen können sonst überwältigend sein.
6. Muskulatur, Haltung, Bewegungseffizienz
Durch gezielte, oft sehr kleine Bewegungen werden neuromuskuläre Muster optimiert (bessere Koordination, reduzierte Überaktivität bestimmter Muskelgruppen). Mehr Bewegungsökonomie, verbesserte Deine Haltung, außerdem spürst Du weniger Ermüdung bei Alltagsaktivitäten oder Sport.

7. Verdauung und Organfunktionen
Diaphragma‑Mobilität und vagale Stimulation unterstützen die Verdauungsperistaltik und die Organentspannung. Es entsteht eine wahrnehmbare Verbesserung von Völlegefühl, Blähungen oder gestörter Verdauung bei manchen Personen. Dies zeigt sich meist als Ergebnis reduzierter Stressreaktionen und besserer Atemfunktion.
Kurzfristige und langfristige Effekte: Was bewirkt somatisches Yoga?
Somatisches Yoga wirkt auf mehreren Ebenen – körperlich, neurologisch und emotional. Die Wirkung entfaltet sich nicht über Leistung oder Intensität, sondern über Wiederholung, Wahrnehmung und neuronales Lernen. Je nachdem, wie regelmäßig und aufmerksam Du übst, zeigen sich Effekte auf unterschiedlichen Zeitebenen.
Beginne bewusst klein, beobachte Veränderungen über einen längeren Zeitraum und passe die Praxis an Deine individuellen Bedürfnisse an. Bei anhaltenden Schmerzen, neurologischen Symptomen oder einer Trauma-Vorgeschichte empfiehlt sich die begleitende Arbeit mit qualifizierten Fachpersonen wie Physiotherapeuten, Yogatherapeuten oder Psychotherapeuten.

Kurzfristige Effekte (während oder nach der Praxis)
Bereits während einer einzelnen Einheit können erste Veränderungen spürbar sein. Dazu zählen häufig:
- ein Gefühl von körperlicher und mentaler Entspannung
- Nachlassen akuter Muskelspannung (insbesondere in Nacken, Rücken oder Hüften)
- eine ruhigere, tiefere Atmung durch reduzierte Stressaktivierung
- ein insgesamt klareres oder angenehmeres Körpergefühl
Diese Effekte entstehen vor allem durch die Aktivierung des parasympathischen Nervensystems und eine kurzfristige Reduktion von Schutz- und Spannungsreaktionen. Sie sind oft unmittelbar wahrnehmbar, jedoch noch nicht dauerhaft stabilisiert.
Mittelfristige Effekte (nach mehreren Wochen regelmäßiger Praxis)
Bei kontinuierlichem Üben (z. B. mehrere kurze Einheiten pro Woche) beginnen sich die Effekte zu festigen:
- verbesserte Schlafqualität und leichteres Einschlafen
- geringere Stressspitzen im Alltag und schnellere Erholung nach Belastung
- weniger wiederkehrende Alltagsverspannungen
- eine differenziertere Wahrnehmung innerer Signale wie Atem, Muskeltonus oder Erschöpfung
In dieser Phase wird das Zusammenspiel zwischen Nervensystem, Wahrnehmung und Bewegung zunehmend effizienter. Du erkennst Stress- oder Spannungssignale früher und kannst regulierend reagieren, bevor sie sich verfestigen.

Langfristige Effekte (nach Monaten achtsamer Praxis)
Über einen längeren Zeitraum hinweg kann somatisches Yoga zu nachhaltigen Veränderungen führen:
- stabilere, ökonomischere Bewegungsmuster mit weniger Überlastung
- geringere Häufigkeit oder Intensität von Schmerzen (insbesondere bei funktionellen Beschwerden)
- eine erhöhte Stressresilienz und bessere Selbstregulationsfähigkeit
- ein insgesamt verfeinertes Körperbewusstsein
Diese Effekte beruhen auf neuroplastischen Anpassungen: Das Gehirn lernt, Bewegung und Spannung neu zu organisieren – ein Prozess, der Zeit, Wiederholung und Geduld erfordert.
Somatische Yoga-Übungen
Die folgenden Übungen nutzen die Prinzipien der Neuroplastizität und des sensorimotorischen Lernens. Arbeite dabei stets langsam und bewusst, atme ruhig und tief und richte Deine gesamte Aufmerksamkeit auf Deine inneren Empfindungen und Bewegungen, um eingefahrene Anspannungsmuster sanft aufzulösen. Der Fokus liegt auf Empfindung, nicht auf der richtigen Haltung.
1. Schlafende Taube (Supta Kapotasana)

Wirkung:
Diese Haltung nutzt die langsame Dehnung, um chronische Anspannung in den Hüftbeugern und Gesäßmuskeln (insbesondere dem Piriformis) zu lösen und Deinem Nervensystem zu signalisieren, dass die dort gespeicherte Haltearbeit gelöst werden kann.
Anleitung — Schritt für Schritt:
- Ausgangsposition
- Leg Dich auf den Rücken und nimm einige ruhige Atemzüge, um in Deinem Körper anzukommen.
- Winkele die Füße an, stelle die Füße hüftbreit auf.
- Hebe ein Bein an und lege den Knöchel des angewinkelten Beins über das gegenüberliegende Knie (Figure‑4). Achte darauf, dass das Knie des aufliegenden Beins nicht schmerzt. Die Position soll angenehm bis leicht spürbar sein, nicht scharf schmerzhaft.
- Wenn nötig, schiebe das untere Bein etwas vom Körper weg, sodass das aufliegende Knie in einem angenehmen Winkel bleibt.
- Wahrnehmen
- Verweile 5–10 tiefe, ruhige Atemzüge.
- Richte Deine Aufmerksamkeit auf das Gespür im Hüftbereich, an der Außenseite der Hüfte und im Gesäß. Notiere innerlich Qualität, Ort und Intensität der Empfindungen (ohne zu bewerten).
- Kleine Mikrobewegung (Pelvic Float)
- Hebe das Becken sehr minimal (nur ein paar Millimeter) vom Boden. Spüre dabei, welche Muskeln sich aktivieren. Halte 2–3 Sekunden.
- Lasse das Becken ebenso langsam zurück auf die Matte sinken. Wiederhole 6–10 Mal in sehr langsamem Tempo.
- Getemperte Ausdehnung
- Atme ein, nimm eine winzige Bewegung Richtung „Öffnen“ wahr (z. B. der Hüftbereich wird weicher, Knie kann ein wenig weiter vom Körper wegrutschen). Halte nur kurz.
- Atme aus und erlaube dem Bereich, noch weicher zu werden. Achte darauf, dass Du nicht aktiv presst!
- Führe diesen Atemzyklus 6–10 Mal durch.
- Kontraktion‑Loslassen (PNF‑inspiriert, somatisch sensibel)
- Beim Einatmen drücke den aufliegenden Knöchel sanft gegen das untere Knie (oder gegen Deine Hand) — eine sehr leichte isometrische Aktivierung. Diese Position kannst Du für 3–4 Sekunden halten.
- Beim Ausatmen löse und richte Deine Aufmerksamkeit auf das Nachlassen. Spüre mögliche Weitung. 3–5 Wiederholungen.
- Ausklingen
- Verweile wieder 5–10 Atemzüge. Zusätzlich kannst Du Veränderungen (Wärme, Weite, Schmerzskala) an Dir beobachten.
- Bringe Dein Bein zurück auf den Boden, strecke kurz beide Beine aus und achte auf den Unterschied der Wahrnehmung zwischen den Seiten.
2. Liegender Twist/Krokodil

Wirkung:
Die somatische Wirkung der Krokodil-Drehungen liegt in der sanften Mobilisierung der Wirbelsäule. Durch die minimalen, bewussten Bewegungen in die Drehung hinein und wieder heraus wird die sensorisch-motorische Wahrnehmung der Rückenmuskulatur geschult, was gespeicherte Verspannungen im Rumpf löst und die Flexibilität in der Körpermitte wiederherstellt.
Anleitung — Schritt für Schritt:
- Ausgangsposition
Lege dich auf den Rücken, die Füße stehen hüftbreit auf der Matte, die Knie zeigen nach oben. Nimm zunächst 5 ruhige Atemzüge in den Bauch und spüre kurz, wie dein Körper den Boden berührt. - Arme öffnen (optional)
Strecke die Arme seitlich auf Schulterhöhe aus, sodass sie eine T-Form bilden. Die Handflächen zeigen nach oben. Diese Position kann helfen, den Brustraum zu öffnen und dem Körper mehr Orientierung zu geben. - Knie zur Brust bringen
Ziehe beide Knie langsam zur Brust und halte die Position für 2–4 Atemzüge. Spüre dabei, wie sich dein unterer Rücken anfühlt und wie er den Kontakt zur Matte verändert. - Beine zur Seite sinken lassen
Lass nun beide Knie gemeinsam, sehr langsam und kontrolliert, zur rechten Seite sinken. Die Bewegung bleibt klein und schmerzfrei. Dein Blick kann zur linken Hand gehen oder neutral zur Decke gerichtet bleiben. - Wahrnehmen und atmen
Atme 6–10 Mal ruhig in den Bauch. Beobachte, was Du in Rücken, Flanken, Hüfte und Brustkorb wahrnimmst. Bleibe in einer forschenden Haltung, überlege Dir: „Was nehme ich wahr?“, jedoch vermeide Fragen wie: „Wie komme ich tiefer?“. - Sanfte Mikrobewegungen
Beginne nun mit sehr kleinen, rhythmischen Bewegungen, zum Beispiel einem minimalen Kippen des Beckens. Jede Bewegung ist langsam und bewusst, mit etwa 3–6 Sekunden pro Richtung. Ziel ist es, Spannungsmuster zu erkunden und neue, leichtere Bewegungsimpulse zu ermöglichen. - Isometrische Variante inspiriert nach PNF (optional)
Wenn es sich stimmig anfühlt, kannst Du beim Einatmen die Knie ganz sanft gegen eine imaginäre Barriere oder Deine Hand drücken. Halte die Spannung 3–4 Sekunden und löse sie mit dem Ausatmen wieder. Wiederhole dies 2–4 Mal. Die Anspannung bleibt dabei stets sehr leicht. - Variation für mehr Rotationsspielraum
Halte die Knie weiterhin zusammen und lasse zusätzlich den oberen Fuß oder Knöchel in kleinen, bewussten Bewegungen leicht nach innen und außen rotieren. Auch hier gilt: klein, langsam und achtsam. - Rückkehr und Seitenwechsel
Beende die Seite nach etwa 1–5 Minuten mit 3–5 tiefen Atemzügen. Bringe die Knie zurück zur Mitte, stelle die Füße auf und strecke die Beine langsam aus. Verweile kurz und spüre den Unterschied zwischen den Körperseiten. Wiederhole die Übung anschließend auf der anderen Seite.
3. Totenstellung (Savasana)

Wirkung:
Die Totenstellung ist die ultimative somatische Haltung, da sie dem Nervensystem die Möglichkeit gibt, alle motorischen und sensorischen Reize zu integrieren. Sie fördert die tiefe parasympathische Entspannung (Rest-and-Digest), indem sie aktive Anspannung komplett loslässt und dem Gehirn signalisiert, dass der Körper sicher ruhen kann.
Anleitung — Schritt für Schritt:
- Ausgangsposition
Lege Dich entspannt auf den Rücken. Die Beine sind leicht geöffnet (etwa hüftbreit) und die Füße dürfen locker nach außen fallen. Die Arme liegen neben dem Körper. Lege die Handflächen nach oben oder auf den Bauch bzw. Brustkorb. - Ankommen und zentrieren
Nimm dir 3–5 ruhige Atemzüge in den Bauch. Spüre, wie dein Körper vom Boden getragen wird. Achte auf die Kontaktpunkte: Hinterkopf, Schulterblätter, Becken und Fersen. Lass innerlich den Gedanken entstehen: „Ich darf hier liegen und getragen werden.“ - Sanfter Bodenscan
Richte Deine Aufmerksamkeit langsam nach innen. Wandere gedanklich von den Zehen über Füße, Beine und Becken weiter zu Bauch, Brust, Schultern, Armen und schließlich zum Kopf. Nimm wahr, was du spürst (zum Beispiel Wärme, Schwere, Puls oder kleine Spannungen). - Kleine Mikrobewegungen (optional)
Wenn Du Unruhe oder Spannung bemerkst, erlaube Dir sehr kleine, bewusste Bewegungen. Das kann ein sanftes Anheben und Absenken des Beckens sein, ein leichtes Rollen der Schultern oder ein Bewegen der Finger. - Atem wahrnehmen
Lenke Deine Aufmerksamkeit nun auf den Atem. Lass ihn ruhig und natürlich fließen, möglichst in den Bauch. Wenn es sich stimmig anfühlt, verlängere das Ausatmen sanft, ohne es zu erzwingen. - Nichts tun – nur wahrnehmen!
Erlaube allen Empfindungen, zu kommen und wieder zu gehen. Bleibe neugierig und offen. Frage dich eher: „Was ist jetzt anders?“, statt etwas wegdrücken oder verändern zu wollen. - Ressourcen nutzen (bei Bedarf)
Falls Unsicherheit oder Überforderung aufkommt, unterstütze Dich selbst: Lege die Hände auf Bauch oder Brust, richte den Blick auf etwas Vertrautes wie eine Decke, erinnere Dich an einen angenehmen Ort oder zähle langsam Deine Atemzüge. - Integration
Beende die Übung mit 3–5 bewussten Atemzügen. Beginne dann mit kleinen Bewegungen von Fingern und Füßen, ziehe die Knie langsam zur Brust und rolle Dich auf eine Seite in die Embryo- oder Seitenlage. - Ruhiges Aufrichten
Stütze Dich mit den Händen ab, um in den Sitz zu kommen. Verweile einen Moment und nimm wahr, wie sich Dein Körper jetzt anfühlt, im Vergleich zu Beginn der Übung.
Sicherheit & Trauma‑Hinweis:
Somatisches Yoga wirkt über das Nervensystem und kann dabei auch intensive Körperempfindungen oder Emotionen auslösen. Für Menschen mit traumatischen Vorerfahrungen ist daher eine trauma-sensible Praxis wichtig: langsames Tempo, Wahlfreiheit und die Möglichkeit, Übungen jederzeit zu beenden. Bei Unsicherheit oder bekannter Trauma-Geschichte empfiehlt sich die Begleitung durch eine entsprechend ausgebildete Fachperson. Sicherheit und Selbstbestimmung stehen immer an erster Stelle.

Häufige Fragen – FAQ
Viele Praktizierende spüren bereits nach der ersten somatischen Sitzung eine tiefere Entspannung und ein besseres Gefühl für ihren Körper. Die sofortige Wirkung liegt oft in der Freisetzung von akuter Anspannung und einer Beruhigung des Nervensystems. Für die langfristige Auflösung chronischer Muster sind jedoch regelmäßige Praxis und Geduld erforderlich, da das Gehirn Zeit benötigt, neue neuronale Pfade zu etablieren.
Indirekt kann Dich somatisches Yoga während Deiner Abnahme unterstützen. Indem Stress reduziert und Cortisol senkt wird, unterstützt es gesündere Essgewohnheiten und bessere Schlafqualität — beides wichtige Faktoren für eine effektive Gewichtskontrolle. Zusätzlich verbessert es die Bewegungsqualität, sodass Du Alltagsaktivitäten effizienter ausführst. Für eine gezielte Gewichtsreduktion kombiniere somatisches Yoga mit Ausdauertraining und Ernährungsanpassungen.
Ja, somatisches Yoga kann sehr effektiv bei chronischen Rückenschmerzen sein. Es konzentriert sich darauf, die Ursache der Schmerzen zu behandeln, indem es die sensorisch-motorische Amnesie auflöst. Durch die bewusste und langsame Arbeit lernt das Gehirn, chronisch verspannte Muskeln im Rumpf und Becken wieder willentlich zu entspannen, was zu einer deutlichen und nachhaltigen Schmerzlinderung führen kann.
Quellen
- Garnsey, C. L.; Gnall, K. E.; Osherow, E. K. & Park, C. L. (2025): Changes in body awareness in yoga interventions: A systematic review, ScienceDirect, [online] https://doi.org/10.1016/j.ctcp.2025.101977, [15.12.2025]. ↩︎
- Lee, M. S.; Kim, S. J.; Chae, J. H.; Bhang, S. Y.; Lee, M.; Kim, H. B. & Huh, H. J. (2023): Pilot Study About the Effects of the Soma Experiencing Motion (Soma e-Motion) Program on Interoceptive Awareness and Self-Compassion, National Libary of Medicine, [online] https://doi.org/10.30773/pi.2022.0312, [15.12.2025]. ↩︎
Als zertifizierte Yogalehrerin und Yogatherapeutin erfüllt es mich, diese Jahrtausende alte Übungspraxis mit all ihren positiven Effekten an Dich weitergeben zu können.
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