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Skoliose: Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Bist Du auch schon einmal über den Begriff Skoliose gestolpert? Diese komplexe Wirbelsäulenverkrümmung betrifft Millionen von Menschen weltweit und vielleicht kennst Du jemanden in Deinem Umfeld, der ebenfalls davon betroffen ist. Skoliose kann in jedem Alter auftreten und stellt oft eine große Herausforderung dar. Von Rückenschmerzen bis hin zu eingeschränkter Beweglichkeit kann sie eine Vielzahl von Problemen verursachen. Doch was genau verbirgt sich hinter dieser Erkrankung?

Artikel vom 01. März 2024
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Was ist Skoliose?

Skoliose ist eine Erkrankung, bei der die Wirbelsäule nicht nur seitlich verbogen ist, sondern auch verdreht. Dadurch entsteht eine sichtbare Fehlhaltung des Körpers. Diese Krümmung und Verdrehung der Wirbelsäule führt zu einer Abweichung von der normalen Ausrichtung.

Typischerweise beträgt die seitliche Krümmung dabei mehr als 10 Grad und betrifft alle drei Dimensionen der Wirbelsäule: die Frontalebene (von vorne betrachtet), die Sagittalebene (von der Seite betrachtet) und die Axialebene (von oben betrachtet). Diese Deformität geht oft mit einer Verdrehung der Wirbelkörper einher, was zu auffälligen Merkmalen wie einem Hervorstehen der Wirbelsäule, einem Rippenbuckel, einem Lendenwulst und einer verstrichenen Taille führt. Oftmals wird der Begriff „Skoliose“ (= Krümmung) verwendet, obwohl sich der Begriff „Wirbelsäulendeformität“ besser eignen würde, da er die komplexe Natur dieser Veränderungen besser beschreibt.

Schweregrade von Skoliose

Der Schweregrad einer Skoliose wird mithilfe des sogenannten Cobb-Winkels bestimmt. Benannt nach dem US-Mediziner John Robert Cobb, beschreibt dieses Maß den Grad der Seitbiegung in der Wirbelsäule und wird durch geometrische Berechnungen anhand einer Röntgenaufnahme ermittelt.

Erst ab einem Winkel von 10 Grad oder mehr gilt die Skoliose als krankheitswertig. Die Einteilung erfolgt wie folgt:

  • Skoliose 1. Grades (leicht): Winkel von 10 bis 40 Grad
  • Skoliose 2. Grades (mittelschwer): Winkel zwischen 40 und 60 Grad
  • Skoliose 3. Grades (schwer): Winkel von 61 bis 80 Grad
  • Skoliose 4. Grades (sehr schwer): Winkel über 80 Grad

Was sind Symptome einer Skoliose?

Eine leichte Skoliose verursacht normalerweise keine Probleme und ist im Alltag, insbesondere wenn Du bekleidet bist, kaum erkennbar. Da ist schon ein genauerer Blick auf Deinen Rücken notwendig, um sie zu bemerken! Bei Kindern und Jugendlichen können sich im Zusammenhang mit einer Skoliose jedoch einige Anzeichen zeigen:

  1. Ungleichmäßige Schulterhöhe oder Schulterblattprominenz (Vorstehen eines Schulterblattes)
  2. Asymmetrische Taillenhöhe oder Tailleneinkerbung
  3. Asymmetrische Hüften oder Beckenrotation
  4. Asymmetrischer Brustkorb
  5. Rückenschmerzen, insbesondere im Bereich der Krümmung
  6. Verspannungen im Rücken-, Schulter- oder Nackenbereich
  7. Veränderungen im Gangbild, wie z. B. einseitiges Hinken oder Ungleichgewicht
  8. Häufigeres Ermüden oder verminderte Ausdauer bei körperlicher Aktivität
  9. Einseitige Rippenbuckel oder Rippenverschiebung
  10. Hautveränderungen über den Dornfortsätzen und Abweichen der Dornfortsätze

Im Laufe der Zeit und mit zunehmendem Schweregrad treten oft Verschleißerscheinungen und Versteifungen auf, was zu einer Abnahme der Beweglichkeit Deiner Wirbelsäule und verstärkten Schmerzen führen kann. Zusätzlich kann bei stärkeren Verkrümmungen und Verspannungen im oberen Rücken die Lunge eingeengt werden, was zu Atemnot oder einem Druckgefühl auf Deiner Brust führt. Auch Herzrasen und Verdauungsprobleme sind mögliche Symptome.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jeder mit Skoliose Symptome aufweist, insbesondere bei milden Formen der Erkrankung. Wenn bei Dir jedoch Symptome auftreten oder sich verschlimmern, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen, um eine angemessene Diagnose und Behandlung zu erhalten.

Was sind Arten, Ursachen und Risikofaktoren von Skoliose?

Frau mit Skoliose bei einer Therapeutin

Wenn Du Deine Wirbelsäule von der Seite betrachtest, siehst Du, dass sie doppelt S-förmig gebogen ist. Von vorne und hinten betrachtet sollte sie normalerweise eine gerade Linie bilden. Aber manchmal biegt sich das Rückgrat zur Seite hin: Deine gesamte Wirbelsäule ist dann längs verdreht. Diese Verdrehung erzeugt Zug- und Druckkräfte, die dazu führen können, dass selbst die einzelnen Wirbelknochen und Bandscheiben eine verzerrte Struktur annehmen. Infolgedessen können Skoliosen verschiedene Ursachen haben:

In 80 bis 90 Prozent der Fälle ist die Ursache unbekannt und wird als idiopathische Skoliose bezeichnet. Sie wird nach der Lungenreife und dem Alter des Patienten eingeteilt. Mädchen sind dreieinhalb Mal häufiger betroffen als Jungen. Wobei zusätzlich zwischen infantiler Skoliose bis zum dritten Lebensjahr, juveniler Skoliose vom dritten bis zum zehnten Lebensjahr und adoleszenter Skoliose ab dem elften Lebensjahr unterschieden wird. Selbst nach Abschluss des Längenwachstums kann die Verkrümmung weiter zunehmen, je nach Ausprägung der Skoliose (Cobb-Winkel).

Kongenitale Skoliosen entstehen durch angeborene Entwicklungsfehler der Wirbelkörper und machen etwa 0,5 bis 1 Prozent aller Skoliosen aus. Sie werden je nach Deformierung des Wirbelkörpers eingeteilt (Formations- und Segmentationsstörungen).

Neuromuskuläre Skoliosen sind das Ergebnis einer zugrunde liegenden Erkrankung und variieren individuell. Häufige Ursachen sind Muskeldystrophie Duchenne, Erkrankungen aus dem VACTERL-Formenkreis, infantile Zerebralparese und Neurofibromatose. Eine frühzeitige operative Korrektur ist wichtig, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern und die Fähigkeit zum Stehen, Gehen und Sitzen zu erhalten.

Ungefähr jede zehnte Skoliose hat eine erkennbare Ursache, wie zum Beispiel:

  • angeborene Fehlbildungen der Wirbelkörper
  • Muskelerkrankungen, wie vererbbare Muskelschwächekrankheiten
  • rheumatische Erkrankungen
  • Nervenschäden, die dazu führen, dass die stabilisierende Bauch- und Rückenmuskulatur nicht ordnungsgemäß funktioniert (Myasthenia gravis oder Rückenmarkserkrankungen)
  • Osteoporose
  • Traumata (Wirbelknochenbrüche oder Rückenmarksverletzungen)

Die Gründe für eine Skoliose werden derzeit noch aktiv untersucht, wobei sich als bekannter Risikofaktor eine familiäre Veranlagung herauskristallisiert hat. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass eine Codierung der RNA eine entscheidende Rolle spielen könnte.

Behandlungsmöglichkeiten für Skoliose

Die Behandlung einer Skoliose sollte möglichst bald nach der Diagnose beginnen. Sehr gute Skoliose-Therapie-Ergebnisse können besonders bei Kindern und Jugendlichen vor Abschluss des Wachstums erzielt werden. Wenn bei Dir eine leichte Skoliose vorliegt, ist Physiotherapie oft die erste Wahl und kann bereits ausreichend sein. Bist Du jedoch von Skoliose mit hohem Schweregrad betroffen, kann Dir zusätzlich ein Korsett verschrieben oder eine Operation empfohlen werden.

Wann solltest Du bei Skoliose über einen Arzt Besuch, eine Operation oder ein Korsett nachdenken?

Beobachte Deine Beschwerden aktiv! Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn Du Anzeichen oder Symptome von Skoliose bemerkst oder wenn Du bereits diagnostiziert wurdest und Veränderungen oder Beschwerden feststellst.

Physiotherapeutische Übungen können dazu beitragen, das Fortschreiten Deiner Skoliose zu verlangsamen oder sogar zu reduzieren. Wenn Dein Cobb-Winkel zwischen 20 und 45 Grad liegt, kann es sein, dass Dir ein maßgeschneidertes Korsett („Chêneau-Korsett“) empfohlen wird. Die Orthese richtet Deinen Rumpf über die Atmung auf und muss möglicherweise über einige Monate oder Jahre rund um die Uhr getragen werden. Obwohl sie für einige unangenehm ist und bestimmte Sportarten unmöglich macht, zeigen gute Erfolge die Wirksamkeit dieser Therapie.

Sollten konservative Behandlungen nicht ausreichen, könnte eine Operation ab dem zehnten Lebensjahr für Dich in Frage kommen. Etwa 1.000 Jugendliche werden in Deutschland jedes Jahr wegen Skoliose operiert. Eine OP wird empfohlen, wenn Deine Skoliose schwerwiegend ist, sich schnell verschlimmert oder wenn Verschleiß droht. Kinder benötigen spezielle Systeme, die ihr Wirbelwachstum nicht beeinträchtigen, wie Titanstäbe, die alle vier bis sechs Monate verlängert werden müssen. Neuere Stäbe haben sogar einen ferngesteuerten Motor und wachsen mit (auch „wachsende Stäbe“ genannt).

Skoliose Behandlung nach Schroth

Katharina Schroth (deutsche Physiotherapeutin) litt selbst unter Skoliose und erfuhr physische und psychische Auswirkungen dieser Erkrankung. Aufgrund der damals passiven Korsetttherapie, die ihre körperliche Aktivität einschränkte, begann sie, selbst an ihrer Skoliose zu arbeiten. Inspiriert von einem Gummiball mit einer Delle, der durch Luft herausgedrückt werden konnte, entwickelte sie die Grundlagen der dreidimensionalen Atmungsorthopädie. Ihre Tochter Christa Lehnert-Schroth führte diese Methode weiter und arbeitete 50 Jahre lang mit Skoliosepatienten.

Die Schroth-Methode zur Behandlung von Skoliose basiert auf Atemtechniken und individuellen Übungen und richtet sich gezielt nach Krümmungsgrad und Verschiebungsrichtung der Wirbelsäule des Patienten. Spezielle Übungen und Materialien wie Spiegel und Sprossenwände zur Korrektur der Wirbelsäule und zur Verbesserung der Haltung sind Teil der Schroth-Therapie. Jene erfordert Disziplin und regelmäßiges Training, um erfolgreich zu sein. Meist lernen Kinder die Methode schnell, während Erwachsene möglicherweise mehr Zeit benötigen.

Die Therapie zielt darauf ab, Selbstkompetenz zu entwickeln, die Wirbelsäule zu korrigieren, die Progression zu stoppen, Schmerzen durch die Skoliose zu reduzieren und mögliche Operationen zu vermeiden. Die Schroth-Methode gilt als die führende Physiotherapiemethode für Skoliose und wird erfolgreich in die Korsetttherapie integriert.

Wie kann ich Skoliose vorbeugen?

Es ist grundsätzlich nicht möglich, eine Skoliose vorzubeugen. Dennoch ist es wichtig, frühzeitig eine Deformation Deiner Wirbelsäule zu erkennen und rechtzeitig mit der Therapie zu beginnen. Das Fortschreiten Deiner Skoliose kann gestoppt oder ihre Ausprägung verringert werden, wenn während Deines Wachstums gegengesteuert wird. Du kannst vorbeugende Maßnahmen ergreifen, indem Du regelmäßig Deine Körperhaltung überwachst und bei Auffälligkeiten einen Arzt aufsuchst.

Sport bei Skoliose

Aktivitäten und Bewegung spielen eine unterstützende Rolle im Umgang mit Deiner Skoliose. Körperliche Aktivitäten können Deine Skoliose zwar nicht stoppen, tragen jedoch dazu bei, Dein allgemeines Wohlbefinden zu steigern und Deine Fitness zu verbessern. Gezieltes Training kann Rückenschmerzen vorbeugen und die Rückenmuskulatur stärken, was besonders wichtig ist, wenn Du ein Korsett trägst. Also ist es für Dich wichtig, regelmäßig Deine Rückenmuskulatur zu trainieren.

geeignete Sportartenweniger geeignete Sportarten
Schwimmen, auch Aquafitness, Aquagymnastik, AquapowerSportarten mit ruck- und stoßartigen Bewegungsabläufen
Joggen (idealerweise auf Wald- und Wiesenuntergrund, möglichst nicht auf hartem Straßen- oder Betonbelag)Delphin-Schwimmen
Radfahren, in rückengerechter und aufrechter SitzpositionTennis
Wandern und Nordic WalkingSquash
Therapeutisches ReitenGewichtheben
Tanzsport und AerobicTrampolinspringen
Inlineskaten 
Klettern 
Skilanglauf 

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Achtung: Bitte besprich vorerst mit Deinem Arzt, ob ein solcher Kurs für Dich in Frage kommt. Hier lernst Du gezielte Übungen, um Deine Wirbelsäule zu stärken und Deine Haltung zu verbessern. Nimm aktiv Einfluss auf Deine Gesundheit und erlebe die Vorteile eines starken Rückens!

Kann Skoliose die Schwangerschaft beeinflussen?

Es gibt keinen medizinischen Grund, warum eine Frau mit Skoliose nicht schwanger werden könnte. Untersuchungen zeigen, dass Schwangerschaften bei den meisten Frauen mit Skoliose ähnlich verlaufen wie bei Frauen mit normaler Wirbelsäule. Es gibt auch keine Anzeichen dafür, dass eine Schwangerschaft die Skoliose verschlimmern könnte.

Du machst Dir sorgen, dass Deine Skoliose vererbbar ist? Brauchst Du nicht! Es gibt keine klaren wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Skoliose vererbt wird. Also ist Deine Sorge unbegründet, selbst wenn beide Elternteile betroffen sind.

Für euch schreibt:
Stefanie Diestel

Mit meiner Erfahrung als Physiotherapeutin mit eigener Praxis und Vizepräsidentin des Volleyballvereins Grimma e.V. helfe ich Dir, Schmerzen besser zu verstehen und ihnen wirksam vorzubeugen.

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