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Halswirbelsäule: Funktion, Schmerzursachen und Übungen

Die Halswirbelsäule ist von entscheidender Bedeutung für die Beweglichkeit des Kopfes und für viele grundlegende Alltagsaktivitäten. Sie spielt eine Schlüsselrolle bei der Übertragung von Nervenimpulsen zwischen dem Gehirn und dem Rest des Körpers. Aufgrund ihrer Komplexität ist Sie allerdings auch anfällig für Störungen, die zu Schmerzen führen können. Wir vermitteln dir ein fundiertes Verständnis ihrer Funktion, möglicher Schmerzursachen und welche Übungen Deine Halswirbelsäule unterstützen.

Artikel vom 29. April 2024
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Aufbau und Funktion der Halswirbelsäule 

Die Halswirbelsäule, kurz HWS, ist ein filigraner Teil der Wirbelsäule, der wichtige Funktionen erfüllt. Sie trägt den Kopf und ermöglicht ihm eine vielfältige Beweglichkeit. Zusätzlich ist die HWS an der Versorgung des Gehirns mit arteriellem Blut beteiligt und schützt das Rückenmark. 

Aufbau

Die Halswirbelsäule, auch Zervikalwirbelsäule genannt, besteht aus den sieben obersten Wirbeln der Wirbelsäule und liegt im Bereich des Halses. Die einzelnen Wirbel tragen in der Medizin die Bezeichnungen C1 bis C7, wobei C für Zervikal steht.

Nachfolgend erläutern wir Dir kurz Aufbau und Funktion der 7 Wirbel und welche Elemente noch zum Gesamtsystem der Halswirbelsäule gehören:

Halswirbel (Atlas, C1): 
Der Atlas ist der oberste Wirbel der Halswirbelsäule. Er hat keinen echten Wirbelkörper, sondern besteht aus einem Ring. Durch seinen Aufbau unterstützt er wirksam den Schädel und ermöglicht das Nicken. 

Halswirbel (Axis, C2): 
Der Axis ist der zweite Halswirbel und hat einen zahnartigen Fortsatz (Dens oder Odontoid). Dieser Dens bildet eine Gelenkverbindung mit dem Atlas und ermöglicht die Drehbewegungen des Kopfes. 

Halswirbel (C3 bis C7): 
Die übrigen fünf Halswirbel haben einen typischen Wirbelaufbau mit einem Wirbelkörper, Wirbelbogen und Querfortsätzen. Die Wirbelkörper sind dabei generell kleiner als diejenigen in anderen Abschnitten der Wirbelsäule. 

Zwischenwirbelscheiben (Bandscheiben): 
Zwischen jedem Wirbel befindet sich eine Bandscheibe, die als Stoßdämpfer und flexible Verbindung zwischen den Wirbeln dient. 
Die Bandscheiben bestehen aus einem äußeren Faserring und einem inneren gallertartigen Kern. 

Wirbelkanal: 
Der Wirbelkanal erstreckt sich durch die Mitte der Halswirbelsäule und enthält das Rückenmark. Das Rückenmark ist ein Teil des zentralen Nervensystems und verläuft durch den gesamten Wirbelkanal. 

Querfortsätze: 
Die Halswirbel haben Querfortsätze, die als Anhänge seitlich aus den Wirbeln herausragen. Muskeln und Bänder heften sich an diese Fortsätze an und tragen zur Stabilisierung der Halswirbelsäule bei. 

Funktion 

Die Halswirbelsäule ermöglicht eine breite Palette von Kopfbewegungen, darunter Neigen, Drehen und Beugen. Sie spielt eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung des Kopfes und der Schutz des Rückenmarks. 

Stützfunktion: Die Halswirbelsäule trägt das Gewicht des Kopfes, der durchschnittlich etwa 4,5 bis 5,5 Kilogramm wiegt. Sie sorgt für die aufrechte Haltung und ermöglicht die Bewegung des Kopfes in verschiedenen Richtungen. 

Schutz der Nervenstrukturen: Die Wirbel in der Halswirbelsäule umgeben und schützen das Rückenmark, das durch den Wirbelkanal verläuft. Die Öffnungen zwischen den Wirbeln, Foramina intervertebralia genannt, ermöglichen den Austritt von Spinalnerven, die ein Teil des peripheren Nervensystems sind und die Körperstrukturen vom Hals abwärts sensorisch und motorisch versorgen. 

Beweglichkeit: Die Halswirbelsäule ist besonders beweglich, was auf die spezielle Bauweise der Wirbel und ihrer Gelenkverbindungen zurückzuführen ist. Diese Beweglichkeit ermöglicht es, den Kopf in verschiedene Richtungen zu drehen und zu neigen. 

Unterstützung bei der Atmung: Die Halswirbelsäule spielt eine Rolle bei der Bewegung des Brustkorbs und unterstützt somit indirekt die Atmung. 

Übertragung von Kräften: Die Halswirbelsäule überträgt Kräfte zwischen dem Kopf und dem Rest des Körpers. Sie dient als Verbindungselement zwischen dem Schädel und der Brustwirbelsäule. 

Es ist wichtig, dass die Halswirbelsäule in ihrer Funktion nicht eingeschränkt oder gestört wird, da Probleme in diesem Bereich zu verschiedenen Beschwerden führen können – darunter Nackenschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindel und andere neurologische Symptome. Eine gute Haltung, regelmäßige Bewegung und ergonomische Arbeitsbedingungen können dazu beitragen, die Gesundheit der Halswirbelsäule zu fördern. Bei anhaltenden Beschwerden oder schwerwiegenderen Problemen solltest Du jedoch einen Arzt oder einen Spezialisten aufsuchen. 

Schmerzen in der Halswirbelsäule

HWS-Syndrom (Halswirbelsäulensyndrom)

Das Halswirbelsäulensyndrom, auch HWS-Syndrom genannt, bezieht sich auf eine Vielzahl von Beschwerden und Symptomen, die im Bereich der Halswirbelsäule auftreten können.  

Frau hat Schmerzen an der Halswirbelsäule aufgrund des HWS-Syndroms

Symptome des Halswirbelsäulensyndroms können unter anderem sein

  • Schmerzen: Typischerweise treten Schmerzen im Nacken auf, können jedoch auch in Schultern, Armen und Kopf ausstrahlen. 
  • Bewegungseinschränkungen: Schwierigkeiten bei der Bewegung des Kopfes und des Halses. 
  • Kopfschmerzen: Häufig treten Spannungskopfschmerzen aufgrund von Verspannungen im Nackenbereich auf. 
  • Schwindel: Manchmal können Schwindelgefühle oder Gleichgewichtsprobleme auftreten. 
  • Taubheitsgefühle und Kribbeln: Diese können in den Armen und Händen auftreten. 

Ursachen des Halswirbelsäulensyndroms können sein: 

  • Fehlhaltungen: Eine schlechte Körperhaltung, insbesondere bei langem Sitzen oder Arbeiten am Computer, kann zu Verspannungen und Beschwerden führen. 
  • Muskelverspannungen: Übermäßige Muskelanspannung im Nacken- und Schulterbereich, z.B. durch dauerhafte Fehlbelastungen. 
  • Verletzungen: Unfälle, Stürze oder Verletzungen können die Halswirbelsäule beeinträchtigen. 
  • Degenerative Veränderungen: Abnutzungserscheinungen der Wirbelsäule im Alter, wie Arthrose oder Bandscheibenvorfälle. 
  • Stress: Emotionaler oder psychischer Stress kann zu Muskelverspannungen und Beschwerden im Nackenbereich führen. 

Die genaue Diagnose und Behandlung des Halswirbelsäulensyndroms erfordert eine ärztliche Untersuchung, um die spezifischen Ursachen und Symptome zu identifizieren. In vielen Fällen können Physiotherapie, Schmerzmedikamente und Veränderungen im Lebensstil zur Linderung der Beschwerden beitragen. 

Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule

Ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule, auch als zervikaler Bandscheibenvorfall oder zervikale Diskushernie bekannt, ist eine häufige Erkrankung, die bereits ab dem mittleren Lebensalter auftreten kann. Diese Problematik entsteht durch Abnutzung, Elastizitätsverlust und Risse im Faserring der Bandscheibe. Diese Veränderungen können dazu führen, dass der weiche Kern der Bandscheibe nach außen tritt, Nerven oder das Rückenmark komprimiert und somit schädigt, was zu verschiedenen Symptomen führt. 

Die Behandlung des zervikalen Bandscheibenvorfalls richtet sich primär nach der Schwere der Symptome. Bei erträglichen Schmerzen und dem Fehlen neurologischer Ausfälle kann eine konservative Therapie mit Physiotherapie und Medikamenten ausreichend sein. Wenn jedoch über Wochen hinweg keine Besserung eintritt oder die Symptome fortschreiten, kann eine operative Intervention erforderlich sein. 

Die Operation ist in der Regel ein vergleichsweiser kurzer mikrochirurgischer Eingriff. Dabei wird der betroffene Nerv und das Rückenmark von dem Druck befreit, indem der Bandscheibenanteil entfernt wird. Diese Maßnahme zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Funktion der Nervenstrukturen wiederherzustellen. Es ist wichtig, dass die Entscheidung für eine Operation sorgfältig unter Berücksichtigung des individuellen Krankheitsverlaufs und der Symptomatik getroffen wird. 

Übungen für die Halswirbelsäule

Die Kräftigung und Mobilisation der Nackenmuskulatur nimmt Deiner Halswirbelsäule einen großen Teil des Drucks und entlastet die Bandscheiben im HWS-Bereich. Die Übungen sollten jedoch mit Vorsicht durchgeführt werden, insbesondere wenn Du Vorerkrankungen, Operationen oder Verletzungen hast. Wir empfehlen Dir, vor Beginn eines neuen Übungsprogramms einen Arzt zu konsultieren, um sicherzustellen, dass die Übungen für Deinen individuellen Gesundheitszustand geeignet sind. 

Übung 1: Mobilisation der Halswirbelsäule 

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  • Setz Dich auf einen Stuhl oder Hocker und achte darauf, dass Deine Wirbelsäule gerade ist. 
  • Beginne die Übung, indem Du sanft Dein Kinn zur Brust neigst und die Dehnung im Nacken spürst. Versuche, Dein Kinn dabei so nah wie möglich zur Brust zu bringen. 
  • Bewege dann Dein Kinn nach oben, ohne Deinen Hals zu überstrecken, und wiederhole diese auf- und abwärts gerichtete Bewegung 2–3-mal, um Deine Nackenmuskulatur zu mobilisieren. 
  • Richte Deinen Blick wieder nach vorne und halte Deine Wirbelsäule weiterhin aufrecht. 
  • Nun bewegst du Deinen Kopf behutsam nach rechts, bis kurz vor die Schulter, und spürst dabei die Dehnung auf der linken Seite des Nackens. 
  • Senke dann Dein Kinn und hebe es wieder in die Waagerechte. Kehre mit Deinem Kopf in die Mitte zurück und wiederhole die Bewegung für die andere Seite. 

Übung 2: Stabilisation und Streckung der Halswirbelsäule 

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  • Nimm eine aufrechte und entspannte Sitzhaltung ein. Lege Deine Hände hinter Deinen Kopf und verschränke Deine Finger, um mehr Stabilität zu erlangen. 
  • Bewege nun Deine Ellenbogen sanft und kontrolliert nach hinten, während du gleichzeitig mit den Händen einen leichten Druck auf Deinen Hinterkopf ausübst. 
  • Um die Wirksamkeit der Übung zu erhöhen, spanne und entspanne die Muskeln abwechselnd. Dies fördert eine intensive Stabilisierung und Dehnung der Halswirbelsäule. 
  • Achte darauf, die Bewegungen bewusst auszuführen und dabei einen angenehmen, gleichmäßigen Druck zu halten. 

Übung 3: Dehnung der Rückseite des Nackens 

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  • Nehme eine aufrechte Sitzhaltung auf einem Hocker oder Stuhl ein, wobei Deine Beine leicht gespreizt sind und Deine Füße fest auf dem Boden stehen, etwas mehr als schulterbreit auseinander. 
  • Richte Deine Wirbelsäule auf. Greife mit beiden Händen hinter Deinen Kopf und neige ihn langsam nach unten. 
  • Entspanne beide Schultern nach unten, ziehe Dein Kinn leicht ein und neige den Kopf unter sanftem Druck der Hände in Richtung Brustbein. Atme dabei ruhig und gleichmäßig ein und aus. 
  • Achte darauf, Dein Kinn gleichmäßig und langsam zum Brustbein zu führen, den Nacken sanft zu strecken und die Schultern tief zu halten, während die Brustwirbelsäule aufrecht bleibt. 

Übung 4: Ausgleich der Nackendehnung 

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  • Nehme eine aufrechte Sitzhaltung ein und halte Deinen Blick geradeaus gerichtet. 
  • Beginne nun behutsam Deinen Kopf nach hinten zu bewegen, während du eine entspannte Haltung beibehältst. 
  • Um die Dehnung im Nackenbereich zu intensivieren, unterstütze diese Bewegung, indem Du leicht gegen Deine Stirn drückst. Platziere dazu Deinen Zeigefinger in die Mitte Deiner Stirn und lege den anderen Arm entspannt auf Deinen Oberschenkel. Dies hilft, eine tiefere Dehnung zu erzielen und gleichzeitig die Muskulatur zu aktivieren. 
  • Achte darauf, die Bewegung fließend und kontrolliert auszuführen, ohne dabei Druck oder Unwohlsein zu empfinden. 

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Für euch schreibt:
Dr. Anne Lägel

Als Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie, Physiotherapeutin und Osteopathin helfe ich Dir, Deine Selbstheilungskräfte zu verstehen und gezielt zu aktivieren.

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