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Hohlkreuz: Ursachen, Symptome & Behandlung einer Hyperlordose

Ein gesunder Rücken ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Wohlbefindens und unserer Mobilität. Doch nicht immer bleibt dieser Bereich des Körpers von Fehlhaltungen verschont. Eine häufige und oft unterschätzte Wirbelsäulenfehlstellung ist das Hohlkreuz - auch Hyperlordose genannt. Etwa 80 % aller Menschen haben eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Hyperlordose, die in vielen Fällen nicht einmal behandlungsbedürftig ist. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Phänomen?

Artikel vom 18. April 2024
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Was ist ein Hohlkreuz?

Ein Hohlkreuz ist eine weit verbreitete Wirbelsäulenfehlstellung, die langfristig zu Rückenschmerzen führen kann. Dabei ist die Lordose (Krümmung der Wirbelsäule nach vorne) der Lendenwirbelsäule übermäßig stark ausgeprägt, begleitet von einer nach vorne gekippten Beckenhaltung sowie einer rückwärts geneigten Brustkorbposition. Diese unnatürliche Haltung führt zu muskulären Verspannungen und kann die Beweglichkeit einschränken.

Kyphose & Lordose: Wo liegt der Unterschied?

Kyphose und Lordose sind zwei unterschiedliche Krümmungen der Wirbelsäule, die jeweils ihre eigenen Merkmale und Funktionen haben. Die Kyphose bezieht sich auf die Krümmung der Brustwirbelsäule nach hinten und sorgt u.a. dafür, dass wir im Zusammenspiel mit der gesamten S-Form der Wirbelsäule Belastungen gut abfedern können. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Buckel“. Eine verstärkte Krümmung, wie beim Rundrücken, wird als Hyperkyphose bezeichnet und führt zu einer regelrechten Verkrümmung der Wirbelsäule nach hinten.

Im Gegensatz dazu bezeichnet die Lordose die normale Krümmung der Hals- und Lendenwirbelsäule nach vorne. Diese Vorwärtskrümmung ist ein natürlicher Zustand der Wirbelsäule, ermöglicht eine aufrechte Haltung und gleicht wie die Kyphose Drucklasten aus. Der Begriff „Lordose“ stammt ebenfalls aus dem Griechischen.

Das Wichtigste auf einen Blick


Kyphose = Krümmung der Wirbelsäule nach hinten, oft assoziiert mit einem Rundrücken oder Hyperkyphose.


Lordose = Krümmung der Wirbelsäule nach vorne, betrifft typischerweise die Hals- und Lendenwirbelsäule.

Von Lordose zu Hyperlordose (Hohlkreuz)

Eine verstärkte Krümmung der Lendenwirbelsäule, die über die normale Lordose hinausgeht, wird in der Fachsprache als Hyperlordose bezeichnet und im Volksmund als Hohlkreuz benannt. Diese fehlerhafte Körperhaltung ist gekennzeichnet durch eine nach vorn geschobene untere Körperhälfte, wodurch sich die Lendenwirbelsäule stärker krümmt und das Becken nach vorne kippt.

Infolgedessen wölbt sich der Bauch, und der Körperschwerpunkt wird verlagert. Um das Gleichgewicht zu erhalten, neigt sich die Brustwirbelsäule nach hinten, während die Schultern zurückgezogen werden. Eine angespannte Bauchmuskulatur und durchgestreckte Beine unterstützen diese Haltung, was letztendlich zu einer sichtbaren Kuhle im Rücken führt. Ein Hohlkreuz kann auch mit einem Rundrücken kombiniert sein, was als Hohlrundrücken bezeichnet wird.

Die Messung der Lordose in der Lendenwirbelsäule gestaltet sich schwierig, da es keine einheitlichen Messmethoden gibt, um einen normalen Bereich festzulegen und eine Hyperlordose zu diagnostizieren. Verschiedene Faktoren wie Alter, Geschlecht, BMI, ethnische Zugehörigkeit und Sport beeinflussen die Messergebnisse laut einer Studie der Public Library of Science (PLOS).

Zusätzlich legt die Studie „Fetale Belastung und die Entwicklung der Lendenlordose bei zweibeinigen Homininen“ nahe, dass Frauen eine stärker gekrümmte Lendenwirbelsäule aufweisen. Dies wird als evolutionäre Anpassung interpretiert, die es Frauen ermöglicht, das zusätzliche Gewicht während der Schwangerschaft effektiv zu tragen. Untersuchungen an Frauen unterschiedlicher ethnischer Herkunft zeigen zudem, dass sich die Lordose je nach Ethnie unterscheidet, wobei schwarze Frauen aufgrund eines prominenteren Gesäßes eine erhöhte Lordose aufweisen können.

Die Lordose ist bei Kleinkindern und Vorschulkindern häufig ausgeprägt und normal, aber bei älteren Kindern und Jugendlichen kann sie auf einen Haltungsfehler hinweisen, insbesondere wenn sie durch Bewegungsmangel und übermäßiges Sitzen verursacht wird.

Ursachen und Entstehung einer Hyperlordose

Arzt untersucht Frau mit Schmerzen im unteren Rücken aufgrund eines Hohlkreuzes

Eine Hyperlordose kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden:

  • genetische Prädispositionen,
  • andere Krankheiten oder
  • Verhaltensmuster, die Du Dir angewöhnt hast.

Diese Ursachen können oft nicht klar voneinander abgegrenzt werden. Ein Beispiel wäre hier eine Hyperlordose, die durch Krankheiten wie Schilddrüsenunterfunktion und daraus resultierendes Übergewicht verstärkt werden kann.

In allen diesen Fällen – außer bei den genetischen Ursachen – spielt die Muskulatur eine entscheidende Rolle. Muskuläre Überbeanspruchung und Verkürzungen können häufig ein Hohlkreuz verursachen und werden oftmals schon im Kindesalter erworben.

Mögliche Ursachen, die bei einem Hohlkreuz bekannt sind:

  • Bewegungsmangel
  • bestimmte „Schonhaltungen“/ natürliche Entlastungsreaktion in der Schwangerschaft
  • übermäßig langes und häufiges Sitzen oder Stehen
  • schlechte Körperhaltung
  • Übergewicht
  • Schuhe mit Absätzen (wissenschaftlich strittig)
  • seltener: Osteoporose, Wirbelgleiten, Verletzungen der Wirbelsäule

Symptome und Beschwerden beim Hohlkreuz

Zu den häufigsten Beschwerden gehören Schmerzen im unteren Rückenbereich, die oft als dumpfer, ziehender Schmerz empfunden werden. Diese Schmerzen können durch die übermäßige Krümmung der Wirbelsäule verursacht und durch Bewegung oder langes Sitzen verschlimmern werden.

Die übermäßige Lordose der Lendenwirbelsäule kann nicht nur zu Rückenschmerzen führen, sondern auch zu einer Instabilität im Beckenbereich, was einen unsicheren Gang hervorruft und das Risiko von Stürzen erhöht.

Bandscheibenvorfälle sind ebenfalls eine häufige Komplikation eines Hohlkreuzes. Durch die übermäßige Belastung der Bandscheiben können diese geschwächt werden und sich vorwölben. Dies kann zu starken Schmerzen führen, die ins Gesäß und die Beine ausstrahlen können. In schweren Fällen kann es auch zu einem Sensibilitätsverlust in den betroffenen Bereichen kommen.

Die Veränderung der Wirbelsäulenkrümmung kann die Nerven im Nackenbereich beeinträchtigen und zu Spannungskopfschmerzen sowie Schwindelgefühlen führen. Die Symptome eines Hohlkreuzes können jedoch von Person zu Person variieren und nicht jeder mit einer solchen Fehlstellung muss zwangsläufig Beschwerden haben.

Behandlung: Hyperlordose – was tun?

Arzt behandelt Frau mit Hohlkreuz

Das Hauptziel einer Behandlung ist die Korrektur der Wirbelsäulenfehlstellung. Du solltest beachten, dass ein Hohlkreuz nicht immer behandlungsbedürftig ist und sich beispielsweise bei Kindern bis zu einem gewissen Alter meist von selbst wieder verwächst. Ähnlich verhält es sich auch bei Schwangeren. Die Hyperlordose kann sich nach der Geburt zurückentwickeln.

Bei anhalten Schmerzen raten wir Dir, Dich bei einem Arzt vorzustellen. Diagnostiziert er eine Hyperlordose, kannst Du folgende Behandlungsansätze erwarten:

  • Kräftigungstherapie, Physiotherapie und Dehnübungen:
    Diese Maßnahmen sollen die Flexibilität der Wirbelsäule verbessern und Verspannungen lösen. Die Stärkung der Muskulatur ist ein wichtiges Mittel zur Behandlung von muskulären Dysbalancen. Physiotherapeuten zeigen Dir gezielte Übungen zur Stärkung und Dehnung der Rücken- und Bauchmuskulatur.
  • Rückenschulen:
    Rückenschulen bieten eine ganzheitliche Herangehensweise zur Vorbeugung und Behandlung von Rückenproblemen. Dein Bewusstsein für die eigene Körperwahrnehmung soll geschärft und die Sensibilität für gesundheitliche Veränderungen sowie unvorteilhafte Belastungen erhöht werden. Hier lernst Du rückenschonende Bewegungsabläufe für den Alltag und Tipps zur Stress- und Schmerzbewältigung.
  • Behandlung bei zugrunde liegenden Erkrankungen:
    Bestimmte Erkrankungen wie Wirbelgleiten oder Adipositas können ein Hohlkreuz verursachen oder verschlimmern. Die Behandlung kann spezielle Therapien oder sogar Operationen umfassen, um die Ursache anzugehen.

Insgesamt ist die regelmäßige Durchführung von Übungen und die Einhaltung eines gesunden Lebensstils entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung eines Hohlkreuzes und die Erhaltung eines starken und flexiblen Rückgrats.

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Vorbeugen: Hohlkreuz vermeiden

Die Vermeidung eines Hohlkreuzes beginnt mit dem bewussten Umgang Deines Körpers. Abgesehen von möglichen Grunderkrankungen, die zu dieser Fehlstellung führen können, spielen Fehlbelastungen, wiederholte schädliche Tätigkeiten und eine ungesunde Sitzhaltung im Alltag eine entscheidende Rolle. Hier sind einige Tipps, um diesen Fehlbelastungen entgegenzuwirken:

  • Bewege Dich beim Sitzen!
    Versuche Dich beispielsweise regelmäßig nach hinten zu strecken. Rotiere Dein Oberkörper mal nach rechts, dann nach links und richte Dich aktiv auf. Diese kleinen Bewegungen können Dir schon helfen. Du entlastest die Wirbelsäule und zusätzlich dienen diese Übungen als erster Schritt die Fehlhaltungen vorzubeugen.
    Die schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) empfiehlt folgende Aufteilung während eines Arbeitstages: 60 % dynamisches Sitzen, 30 % Stehen und 10 % gezieltes Umhergehen.
  • Einfach mal Stehen statt Sitzen – Wechsel Deine Arbeitsposition!
    Um eine einseitige Belastung zu vermeiden, probiere abwechselnd im Stehen und auch im Sitzen zu arbeiten. Für eine ergonomische Arbeitsweise ist es wichtig, dass Du die Höhe Deines Bildschirms so anpasst, dass Dein Kopf und Hals gerade sind, wenn Du darauf schaust.
  • Gezieltes Training: Dehnen, Strecken, Stärken!
    Bewegung und Prävention ist ein entscheidender Faktor für Deine Gesundheit. Mit verschiedenen Übungen kannst Du Deine Rückenmuskulatur trainieren und stärken. Zusätzlich ist auch die regelmäßige Dehnung Deiner Bauchmuskulatur von Bedeutung, um Verkürzungen vorzubeugen. Schau Dir gern das vielfältige Angebot für Online-Präventionskurse von Balance 7 an, um Deinen Rückenschmerzen gezielt und mit professioneller Anleitung den Kampf anzusagen.
Für euch schreibt:
Dr. Anne Lägel

Als Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie, Physiotherapeutin und Osteopathin helfe ich Dir, Deine Selbstheilungskräfte zu verstehen und gezielt zu aktivieren.

Mehr über Anne
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