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Chronische Rückenschmerzen verstehen: Ursachen, Folgen und Behandlung 

Chronische Rückenschmerzen bedeuten für viele nicht nur eine starke Einschränkung im Alltag sondern auch eine enorme psychische Belastung. Sie zählen zu den häufigsten Gründen für Arztbesuche und dauerhaften Krankschreibungen. Doch was genau steckt hinter chronischen Rückenschmerzen? Welche Ursachen gibt es, und welche Ansätze zur Linderung oder Heilung stehen Betroffenen zur Verfügung? Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe und bietet Dir praktische Tipps.

Artikel vom 30. Dezember 2024
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Was sind chronische Rückenschmerzen? 

Chronische Rückenschmerzen sind Rückenschmerzen, die länger als zwölf Wochen (3 Monate) andauern – unabhängig davon, ob sie durchgehend bestehen oder in regelmäßigen Abständen wiederkehren.

Anders als akute Rückenschmerzen, die meist nach kurzer Zeit von selbst oder mit einfacher Behandlung abklingen, verlieren chronische Beschwerden häufig ihre ursprüngliche körperliche Ursache aus dem Blick. Das bedeutet: Selbst wenn der ursprüngliche Auslöser (wie beispielsweise ein Bandscheibenvorfall oder eine Muskelzerrung) längst verheilt ist, bleibt der Schmerz bestehen.

Bei chronischen Rückenschmerzen spielen neben körperlichen oft auch psychische, soziale oder neurologische Faktoren eine wichtige Rolle. Dazu gehören unter anderem Stress, Ängste, depressive Verstimmungen, Bewegungsmangel oder ein sogenanntes Schmerzgedächtnis. Das ist ein Zustand, bei dem das Nervensystem den Schmerz quasi „lernt“ und dauerhaft speichert.

Daher spricht man bei chronischen Rückenschmerzen häufig von einem bio-psycho-sozialen Schmerzmodell: Die Beschwerden sind das Ergebnis eines Zusammenspiels aus Körper, Psyche und Lebensumständen.

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Symptome und Verlauf von chronischen Rückenschmerzen

  • Schmerzcharakter: dauerhafte ziehende, stechende oder dumpfe Schmerzen
  • Lokalisierung: häufig im unteren Rücken (Lendenwirbelsäule), aber auch im oberen Rücken beziehungsweise Nacken oder zwischen den Schulterblättern
  • Intensität: meistens eher wechselnd – mal stärker, mal schwächer
  • Verlauf der Beschwerden:
    • Schmerzen entstehen oft schleichend
    • Schonhaltungen können zu weiteren Problemen führen
    • Ohne Behandlung: Gefahr eines „Schmerzgedächtnisses“ – das Nervensystem meldet weiter Schmerzen, obwohl die Ursache nicht mehr da ist
  • Begleitbeschwerden:
    • Müdigkeit
    • Schlafstörungen
    • Konzentrationsprobleme
    • Gereiztheit oder depressive Verstimmungen
    • Ausstrahlende Schmerzen z. B. in beide Beine
    • Empfindungsstörungen wie Taubheitsgefühle, unangenehmes Kribbeln oder ein allgemeines Schwächegefühl in den Beinen

Nicht selten wirken sich solche Beschwerden auch auf die Psyche aus und führen zu emotionalen Belastungen wie Depressionen.

Wie häufig sind chronische Rückenschmerzen – und wen betrifft es?

Frau mit chronischen Rückenschmerzen durch Dauersitzen

Chronische Rückenschmerzen sind kein Einzelfall – im Gegenteil: Sie gehören weltweit zu den häufigsten Gesundheitsproblemen. Doch wie viele Menschen sind tatsächlich betroffen?

Eine systematische Übersichtsarbeit, veröffentlicht im Journal of Pain Research, analysierte 28 Studien zur Häufigkeit chronischer Rückenschmerzen in unterschiedlichen Altersgruppen und Regionen.

  • In der Altersgruppe von 24 bis 39 Jahren litten etwa 4,2 % der Menschen unter chronischen Rückenschmerzen.
  • Bei Erwachsenen zwischen 20 und 59 Jahren lag die Rate bei durchschnittlich 19,6 %.
  • Von neun Studien mit Erwachsenen ab 18 Jahren wurde eine Häufigkeit bis zu 20,3 % festgetsellt.
  • In der älteren brasilianischen Bevölkerung betrug die Prävalenz sogar 25,4 % – also etwa jede vierte Person war betroffen.

Diese Zahlen machen deutlich: Chronische Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem – in allen Altersgruppen, mit steigender Tendenz im Alter. Deshalb ist es umso wichtiger, nicht nur die Symptome zu behandeln, sondern auch Risikofaktoren wie Bewegungsmangel, Stress oder schlechte Haltungsgewohnheiten frühzeitig ernst zu nehmen.

Ursachen von chronischen Rückenschmerzen 

Die Ursachen können vielfältig sein und sind oft eine Kombination aus physischen, psychischen und sozialen Faktoren: 

1. Physische Ursachen 

  • Fehlhaltungen und Überlastung: langes Sitzen, einseitige Belastungen über einen längeren Zeitraum hinweg, schweres Heben oder falsches Heben
  • Muskelschwäche: Ein Mangel an Bewegung schwächt die Muskulatur, insbesondere die Rumpf- und Rückenmuskulatur, die entscheidend für die Stabilisierung der Wirbelsäule ist. Durch die geschwächte Muskulatur steigt das Risiko für Fehlhaltungen und Überbelastungen der Bandscheiben und Gelenke. Zudem führt Bewegungsmangel zu einer schlechteren Durchblutung und einem verminderten Stoffwechsel in den Bandscheiben, was deren Regeneration beeinträchtigt.

2. Chronische Rückenschmerzen durch psychische Ursachen 

Stress, Angst und Depressionen können Rückenschmerzen auslösen oder verstärken. Emotionale Belastungen manifestieren sich oft körperlich, besonders im Rücken. Besonders häufig davon betroffen ist der Nacken- und Schulterbereich. Bei psychischer Überlastung verkrampfen wir besonders diese Muskelareale und verharren dabei längere Zeit – oft unbewusst – in einer ungünstigen Haltung.

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3. Verletzungen oder Erkrankungen

Chronische Schmerzen können auch die Folge von Unfällen, Entzündungen oder Erkrankungen wie Osteoporose, Arthrose und Spinalkanalstenose sein. Auch Fehlstellungen wie Skoliose, Kyphose oder ein Beckenschiefstand können chronische Beschwerden fördern.

4. Lebensstilfaktoren

  • Übergewicht: Ein übermäßiges Körpergewicht übt zusätzlichen Druck auf die Wirbelsäule und die Bandscheiben aus, insbesondere im Bereich der Lendenwirbelsäule. Diese zusätzliche Belastung kann zu einer schnelleren Abnutzung der Bandscheiben (Degeneration) führen und das Risiko für Bandscheibenvorfälle erhöhen. Übergewicht geht oft mit einer schwachen Muskulatur und Fehlhaltungen einher, die Rückenschmerzen weiter verschlimmern können.
  • Ungesunde Ernährung: Eine unausgewogene Ernährung, die arm an essenziellen Nährstoffen wie Kalzium, Magnesium, Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren ist, kann die Gesundheit der Knochen und Gelenke negativ beeinflussen. Vor allem stark verarbeitete Lebensmittel, Zucker und gesättigte Fette können entzündliche Prozesse im Körper verstärken, die wiederum Rückenschmerzen begünstigen. Zudem trägt eine ungesunde Ernährung oft indirekt zu Übergewicht bei, wodurch die oben genannten Mechanismen weiter verstärkt werden.
  • Schlechte Matratzen oder Schuhe: Eine zu harte oder zu weiche Matratze sowie ungünstiges Schuhwerk können eine ungesunde Haltung fördern und auf die Dauer Rückenschmerzen manifestieren.
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Auswirkungen von chronischen Rückenschmerzen

Chronische Rückenschmerzen beeinträchtigen nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern aufgrund ihrer Langwierigkeit oft auch die Lebensqualität: 

  • Einschränkungen im Alltag
    Tätigkeiten wie Arbeiten, Sport oder sogar das Sitzen können schwierig werden. 
  • Schlafprobleme
    Schmerzen, insbesondere nachts, können die Schlafqualität erheblich beeinträchtigen, was zu Erschöpfung und psychischen Problemen führt, da die Erlebnisse des Alltags nicht mehr verarbeitet werden.
  • Psychische Belastung
    Ständige Schmerzen können zu Depressionen, Angstzuständen und sozialem Rückzug führen. Ein Teufelskreislauf, bei dem sich Verspannungen noch mehr verfestigen.
  • Wirtschaftliche Folgen
    Längere Ausfälle im Beruf oder eine reduzierte Arbeitsfähigkeit können zu einem geringeren Einkommen führen. Zudem entstehen durch langwierige Behandlungen oft hohe Kosten. 

Behandlung von chronischen Rückenschmerzen

Paar bei Übungen zur Stärkung des Rückens

Es gibt verschiedene Ansätze, chronische Rückenschmerzen zu behandeln. Die Wahl der Therapie hängt dabei von der individuellen Ursache und Schwere der Beschwerden ab. 

1. Medizinische Behandlungen 

  • Medikamente: Schmerzmittel, entzündungshemmende Mittel oder Muskelrelaxantien
  • Physiotherapie: Übungen zur Stärkung der Muskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Korrektur von Fehlhaltungen
  • Operationen: nur in seltenen Fällen, wenn konservative Methoden keine Wirkung zeigen

2. Bewegung und Sport 

Regelmäßige Bewegung ist entscheidend, um die Muskulatur zu stärken und Verspannungen zu lösen. Geeignete Sportarten sind unter anderem Schwimmen, Yoga, Pilates und Nordic Walking.

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3. Ergonomie am Arbeitsplatz 

Eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes kann helfen, Fehlhaltungen und Belastungen zu vermeiden. Folgende Ansätze helfen dabei, den Alltag rückenfreundlicher zu gestalten: 

  • höhenverstellbare Schreibtische 
  • kurze Bewegungspausen 

4. Psychologische Ansätze 

Stress kann die Muskelspannung erhöhen und so Rückenschmerzen verstärken. Deshalb ist gezielter Stressabbau ein wichtiger Teil der Behandlung. Entspannungstechniken wie Meditation helfen Dir, zur Ruhe zu kommen und bewusster mit Stress umzugehen.

Viele Menschen mit chronischen Schmerzen entwickeln unbewusst negative Gedanken wie „Ich werde nie wieder schmerzfrei sein“ oder „Bewegung macht alles nur schlimmer“.
Die kognitive Verhaltenstherapie hilft Dir, solche Denkmuster zu erkennen, sie gezielt zu hinterfragen und neue, hilfreiche Gedanken sowie Verhaltensweisen zu entwickeln.

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5. Alternative Methoden 

Neben medizinischer und physiotherapeutischer Behandlung können auch alternative Methoden helfen, Deine Beschwerden zu lindern. Viele dieser Ansätze zielen darauf ab, Verspannungen zu lösen, die Durchblutung zu fördern und das Schmerzempfinden zu reduzieren, wie beispielsweise:

  • Akupunktur 
  • Massage 
  • Wärme- oder Kältetherapie 

Gezielt vorbeugen: Alltagstipps zur Prävention 

Die beste Behandlung ist immer noch die Vorbeugung. Wir geben Dir nachfolgend einige Tipps, mit denen Du die Belastung für Deinen Rücken im Alltag minimieren und chronischen Rückenschmerzen langfristig vorbeugen kannst. Grundsätzlich gilt dabei natürlich, aktiv zu bleiben, aber immer auf die Signale Deines Körpers zu hören. Überlaste Dich nicht und starte bei neuen, ungewohnten Bewegungen sanft und achtsam. 

  • Regelmäßige Bewegung: Schon 30 Minuten tägliche Aktivität können helfen, Deine Rückenmuskulatur zu stärken und die Flexibilität des Körpers zu fördern. Nutze Pausen oder plane Dir Zeitfenster ein, um z.B. spazieren zu gehen, zu tanzen oder zu schwimmen.
  • Gesunde Körperhaltung: Achte auf eine aufrechte Haltung, sowohl im Sitzen als auch im Stehen. Beim Schlafen kann eine Matratze mittlerer Härte und ein flaches Kopfkissen helfen, die Wirbelsäule in einer gesunden Position zu halten.
  • Gewichtskontrolle: Ein gesundes Körpergewicht reduziert die Belastung auf die Wirbelsäule. Durch eine ausgewogene Ernährung unterstützt Du die Gesundheit der Wirbelsäule und beugst Übergewicht vor. Besonders wichtig sind dabei Kalzium und Vitamin D, um Deine Knochen zu stärken.
  • Stressabbau: Fördere Deine mentale Gesundheit durch Hobbys, sanfte Entspannungstechniken und einen gelasseneren Umgang mit Herausforderungen. 

In unseren 9 Tipps für einen gesunden Rücken erfährst Du zudem noch mehr wertvolle Methoden, wie Du Deinen Rücken im Alltag entlasten und stärken kannst.

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FAQs – Häufige Fragen

Sind chronische Rückenschmerzen heilbar?

Chronische Rückenschmerzen sind oft nicht „heilbar“ im klassischen Sinne, aber mit den richtigen Maßnahmen können die Symptome häufig gelindert und die Lebensqualität erheblich gesteigert werden. Ein interdisziplinärer Ansatz ist dabei oft der Schlüssel zum Erfolg.

Wie lange dauern chronische Rückenschmerzen?

Chronische Rückenschmerzen können Wochen, Monate oder sogar Jahre dauern. Mit der richtigen Diagnose, einem umfassenden Behandlungsplan und einer aktiven Rolle in der Genesung können die Schmerzen jedoch häufig gemindert werden.

Für euch schreibt:
Stefanie Diestel

Mit meiner Erfahrung als Physiotherapeutin mit eigener Praxis und Vizepräsidentin des Volleyballvereins Grimma e.V. helfe ich Dir, Schmerzen besser zu verstehen und ihnen wirksam vorzubeugen.

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